Sport : Aus der Traum

Die deutschen Eishockeyspielerinnen vergeben beim 0:3 gegen Finnland ihre Medaillenchance

Christiane Mitatselis[Turin]

Jenny Tamas hatte einen olympischen Traum. „Am liebsten möchten wir hier die Bronzemedaille gewinnen“, sagte die 16 Jahre alte Eishockey-Nationalspielerin, die jüngste deutsche Teilnehmerin bei den Winterspielen in Turin. Dazu hätten die deutschen Frauen Finnland besiegen müssen. Doch daraus wurde nichts. Die Finninnen, gegen die die Mannschaft von Trainer Peter Kathan noch nie gewonnen hat, waren wieder einmal zu stark für die Deutschen. 0:3 (0:2, 0:0, 0:1) unterlag die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) den Finninnen im ersten Vorrundenspiel des olympischen Eishockey-Turniers und hat damit keine realistische Chance mehr, das Halbfinale zu erreichen. „Wir haben nicht schlecht gespielt, wir haben die Sensation gesucht. Vielleicht haben wir ein bisschen zu viel gewollt“, sagte die Berliner Stürmerin Susann Gotz. „Wir sind nicht mehr so weit von ihnen weg.“ Technisch und taktisch sind die deutschen Frauen tatsächlich näher an die Finninnen herangerückt, ihnen fehlt jedoch noch deren Coolness. Vor 1500 Zuschauern im „Torino Eposizioni“ profitierten die Skandinavierinnen davon, dass die deutsche Auswahl besonders zu Beginn der Partie nervös agierte.

So brachte Mari Pehkonen ihr Team in der neunten Minute in Führung. Aus dem Getümmel vor dem deutschen Tor stocherte die finnische Angreiferin den Puck über die Linie. Neun Minuten später schlugen die Finninnen wieder zu: Bei 5:3-Überzahl überwand Heidi Pelttari Deutschlands Torhüterin Stephanie Wartosch-Kuerten mit einem Weitschuss.

Im zweiten Abschnitt überzeugte die DEB-Auswahl mit Kampf und Einsatz, sie setzte Finnland phasenweise unter Druck. Allerdings trat bei den Eishockey-Frauen das Problem auf, mit dem sich auch die Männer seit eh und je herumschlagen: Ihre Chancenverwertung war schlecht. Die starken Angreiferinnen Michaela Lanzl und Maritta Becker erarbeiteten sich zwar etliche Möglichkeiten – im Abschluss fehlte ihnen jedoch die Ruhe, wie sie etwa die Finninnen an den Tag legen. Immerhin blieben die Deutschen aber während der zweiten 20 Minuten ohne Gegentreffer.

Als die Spielerinnen der DEB-Auswahl in der 44. Minute erstmals in Überzahl auf dem Eis standen, wurden sie hektisch. Und wieder schlug das Team Suomi eiskalt zu. Nach Puckverlust in der neutralen Zone zauberten die Finninnen einen schönen Konter aufs Eis, den Helena Marja Palvila abschloss. Nach dem 0:3 war für die deutschen Eishockey-Frauen endgültig alles verloren.

Am heutigen Sonntag (19 Uhr) spielen die Deutschen gegen die USA, die neben Kanada der große Turnierfavorit sind. In der Partie wird es für Kathans Mannschaft aber ausschließlich um Schadensbegrenzung gehen. Das beste Ergebnis, das die deutschen Frauen jemals gegen eine US-Auswahl erzielten, ist ein 0:7. Sollten sie aber am Dienstag die Schweiz besiegen, so würden sie immerhin ihre minimale Vorgabe erreichen: das Spiel um Platz fünf. „Das ist unser realistisches Ziel“, sagt Peter Kathan.

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