Sport : Aus Erfahrung unterschiedlich

Schalke gegen Hertha BSC – das Duell der ältesten Trainer

Stefan Hermanns

Berlin. Die erste Begegnung mit Jupp Heynckes liegt schon mehr als 25 Jahre zurück. Wobei Begegnung vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist. Vor mehr als 25 Jahren hat Hans Meyer Jupp Heynckes zum ersten Mal gesehen. Meyer trainierte den FC Carl Zeiss Jena und musste mit seiner Mannschaft im Uefa-Cup beim MSV Duisburg antreten. Am Tag zuvor spielte Borussia Mönchengladbach gegen Benfica Lissabon, und die komplette Delegation aus der DDR saß als Zuschauer auf dem Bökelberg. Meyer erinnert sich noch daran, dass die „Bild“-Zeitung anschließend über ihren Besuch schrieb: „Schmuck sahen sie aus in ihren Jeans und Lederjacken. Die Kunstlederjacken hatten sie wohl zu Hause gelassen.“ Ein offizielles Treffen zwischen ostdeutschen und westdeutschen Fußballern hat es im November 1978 nicht gegeben, also auch keine Begegnung zwischen Hans Meyer und Jupp Heynckes, dem damaligen Kotrainer der Gladbacher. Nach dem Spiel, „da sind wir geflüchtet“, sagt Meyer.

Meyer, 61 Jahre alt, und Heynckes, der in der nächsten Woche 59 wird, sind die beiden ältesten Trainer der Fußball-Bundesliga, seit den Siebzigerjahren arbeiten sie im selben Beruf, doch wenn Hertha BSC am Sonntag beim FC Schalke 04 spielt, werden sich beide zum ersten Mal als Gegner gegenüberstehen.

Gedanklich sei er Heynckes schon weit vor 1978 begegnet, sagt Herthas Trainer, „als er noch Tore geschossen hat“. Sowohl Heynckes als auch Meyer haben selbst Fußball gespielt, bevor sie Trainer wurden. Doch bei allen Parallelen in ihren Biografien finden sich gerade in den Gemeinsamkeiten die größten Unterschiede. Heynckes, der Gladbacher Stürmer, war Nationalspieler, Welt- und Europameister, drittbester Torschütze der Bundesliga-Geschichte; Meyer, Verteidiger aus Jena, hat es auf 30 Einsätze in der DDR-Oberliga gebracht.

Trainer wurden beide bei dem Verein, für den sie zuletzt gespielt hatten. Heynckes mit 34 in Mönchengladbach, Meyer gar mit 29 in Jena, und beide nach jeweils einem Jahr als Kotrainer. Auch in den Achtzigerjahren liefen ihre Karrieren parallel: Jena und Gladbach zählten kontinuierlich zur Spitzengruppe ihrer Liga, wurden jedoch nie Meister. Beide erreichten je einmal ein Europapokalfinale, beide haben sie es verloren. Gladbach 1980 gegen Frankfurt, Jena ein Jahr später gegen Tiflis.

Dann fiel die Mauer

Hans Meyer hat 1989 gedacht: „Hey, da wird schon was kommen.“ Doch es kam nichts. Heynckes hingegen wurde mit den Bayern Meister, ging ins Ausland und galt fortan als Weltmann unter den deutschen Trainern. Meyer arbeitete in Chemnitz, wieder in Jena und beim 1. FC Union, alles Ostvereine. Im Westen kannten ihn nur Experten. Erst als er Mönchengladbach, den Traditionsverein aus dem Westen, trainierte, wurde sein Name ein Begriff. Im vergangenen Jahr war er in Leverkusen als Trainer im Gespräch, und Rudi Assauer, der Manager von Schalke, wollte „den Dicken aus Gladbach“ als Nachfolger für Huub Stevens verpflichten. Auf dem Platz sitzt jetzt Heynckes.

Zum ersten Mal persönlich begegnet sind sich Hans Meyer und Jupp Heynckes vor ein paar Jahren in Mönchengladbach. Wann genau und zu welchem Anlass, „das krieg ich nicht mehr zusammen“, sagt Meyer, wahrscheinlich im Büro von Borussias Sportdirektor Christian Hochstätter. Es ist eine Pointe, dass Meyer seine Bundesligakarriere beim selben Verein begonnen hat wie Heynckes. Allerdings musste er dafür fast 60 Jahre alt werden und erst mit der Mannschaft aufsteigen.

Als Heynckes 1979 Trainer wurde, hatten die Gladbacher gerade den Uefa-Cup gewonnen. Die Fallhöhe konnte für ihn gar nicht größer sein. Als Meyer anfing, waren die Borussen Letzter der Zweiten Liga. „Einfacher hätte es für mich gar nicht sein können“, sagt er. Zwei Jahre später feierten ihn 100 000 Menschen für den Aufstieg. So viel Verehrung hat Jupp Heynckes in seiner Heimatstadt nie erlebt. Zu Hans Meyer, so lässt er ausrichten, will er sich nicht äußern.

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