Aus für Davis-Cup-Teamchef : Carsten Arriens: Gescheitert an sich selbst

Nach den Querelen der vergangenen Monate beim Deutschen Tennis Bund (DTB) ist Carsten Arriens seinen Job als Bundestrainer los. Ein Kommentar.

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Carsten Arriens muss sich auch an die eigene Nase fassen.
Carsten Arriens muss sich auch an die eigene Nase fassen.Foto: dpa

In einem Tagesspiegel-Interview hat Carsten Arriens vor zwei Jahren gesagt: "Ich glaube, dass ich gerade in den kommunikativen Dingen gut bin." Aus heutiger Sicht entbehrt der Satz nicht einer gewissen Komik. Am Montag hat sich der Deutsche Tennis-Bund (DTB) von seinem Bundestrainer und Davis-Cup-Teamchef getrennt. Auslöser für die Entscheidung: Arriens ließ ein Gespräch mit Philipp Kohlschreiber während der Australian Open in Melbourne platzen und wollte sich bis heute nicht zu den Gründen dafür äußern.

Fast scheint es so, als hätte es Arriens darauf ankommen lassen. Die Kritik an ihm und seiner Amtsführung riss seit der peinlichen Strohhalm-Affäre nach dem Davis-Cup-Match gegen Spanien vor einem Jahr nicht mehr ab. Damals in Frankfurt konnte Arriens keinen seiner Topspieler dazu überreden, am Sonntag beim Stand von 3:0 noch einmal vor dem eigenen Publikum auf den Platz zu gehen. Ein Armutszeugnis für einen Teamchef. Das Verhältnis zwischen Arriens und den Spielern war danach angespannt, das mit Kohlschreiber komplett zerrüttet. Beide bezichtigten sich gegenseitig der Lüge, für den Davis Cup wurde Kohlschreiber von Arriens nicht mehr nominiert. Was anfangs noch nachvollziehbar war, entwickelte sich mehr und mehr zum Problem für Arriens, denn dem Teamchef ging dabei zunehmend die Souveränität abhanden.

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) zog den Schlussstrich

Und so gab das deutsche Männertennis genau wieder jenes Bild ab, dass Arriens eigentlich vergessen lassen wollte. Statt miteinander, wurde übereinander geredet. Der DTB konnte das nun nicht mehr länger tolerieren, zog den Schlussstrich - und macht damit auch den Weg frei für eine Rückkehr von Kohlschreiber. Dabei taugt der nun wahrlich nicht als Heilsbringer. Kohlschreiber profitiert einfach davon, dass es derzeit keinen besseren Tennisspieler in Deutschland gibt. Und die Rolle der nationalen Nummer eins hat er im Machtkampf mit Arriens erfolgreich ausgereizt.

Diese Durchsetzungsfähigkeit ist Arriens hingegen schuldig geblieben. Den gewaltigen Spieler-Egos hatte er wenig entgegenzusetzen, am Ende tauchte er beinahe völlig ab. Die von ihm anfangs beschworene Aufbruchsstimmung konnte er nie erzeugen, um das deutsche Männertennis ist es ähnlich traurig bestellt wie vor seiner Amtsübernahme. Arriens wollte etwas bewegen, trotz aller Bemühungen zum Beispiel im Nachwuchsbereich, ist es bei Ankündigungen geblieben. Nun ist Arriens bewegt worden. Ins Aus. Und hat dabei selbst noch ein bisschen mitgeholfen.

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