Aus gegen Scharapowa : Lisicki verpasst Finale von Wimbledon

Die Berlinerin Sabine Lisicki ist im Halbfinale von Wimbledon ausgeschieden. Gegen Maria Scharapowa gelang zwar der Start, letztlich aber war die Russin an diesem Tag zu stark.

Petra Philippsen
Eine war stärker. Sabine Lisicki (l.) gratuliert Maria Scharapowa zum Einzug ins Finale.
Eine war stärker. Sabine Lisicki (l.) gratuliert Maria Scharapowa zum Einzug ins Finale.Foto: dpa

Ein spitzer Schrei folgte, als Sabine Lisickis Vorhandball hinter der Grundlinie auftrumpfte, dann ballte Maria Scharapowa glücklich die Fäuste. Die Russin zog mit 6:4 und 6:3 zum zweiten Mal ins Endspiel von Wimbledon ein, sie hatte hart darum kämpfen müssen. Als erste deutsche Spielerin seit Steffi Graf 1999 hatte Lisicki das Halbfinale von Wimbledon erreicht, nun war ihr beeindruckender Lauf gestoppt worden. "Ich habe absolut nichts zu verlieren, ich will es einfach nur genießen", hatte Lisicki noch vor dem Spiel angekündigt. Aber die reine Freude ist es dann eben doch nicht, wenn man das wichtigste Match seiner Karriere verliert und dabei nicht chancenlos gewesen ist.  

"Sabine hat einen der härtesten Aufschläge der Tour", hatte Scharapowa vor der Partie gesagt, "das wird eine echte Herausforderung." Sie sollte Recht behalten. Lisicki führte die Rekordlisten in Wimbledon dieser Tage mit 200 km/h und 44 geschlagenen Assen souverän an. Nicht einmal die Williams-Schwestern konnten bei diesem Tempo mithalten. Und Lisicki legte erneut einen furiosen Start hin. Gleich der erste Punkt der Partie war ein Servicewinner, sie hämmerte Scharapowa selbstbewusst Aufschläge mit 194 km/h in Feld. Von Nervenzittern bei Lisicki keine Spur.

Dafür aber bei der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin, die zuletzt in Paris im Halbfinale gestanden hatte. Scharapowa begann mit einem Doppelfehler, allein in den ersten vier Spielen legte sie noch drei nach. 13 sollten es insgesamt werden. Lisicki gelang so das frühe Break zum 2:0, denn Scharapowa machte auch mit ihrer gewöhnlich so starken Vorhand etliche leichte Fehler. Die Berlinerin spielte dagegen so mutig auf, als wäre der Center Court von Wimbledon ein ganz gewöhnlicher Tennisplatz und dies kein Halbfinale beim wichtigsten Turnier der Welt. 

Sabine Lisickis Weg in Wimbledon
Der große Schlag von Wimbledon. Sabine Lisicki ist die erste Deutsche, die in der Ära nach Steffi Graf die Vorschlussrunde eines Grand-Slam-Turniers erreicht hat. Wir zeichnen ihren Weg bis dahin in einer Bildergalerie nach.Weitere Bilder anzeigen
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30.06.2011 11:15Der große Schlag von Wimbledon. Sabine Lisicki ist die erste Deutsche, die in der Ära nach Steffi Graf die Vorschlussrunde eines...

"In dieser schwierigen Turnierphase ist Erfahrung enorm wichtig", sagte Scharapowa vorab und obwohl sie seit 2006 im All England Club nicht mehr so weit vorgedrungen war, hatte sie Lisicki doch das Wissen aus elf weiteren Grand-Slam-Halbfinals voraus. Und so kehrte bei Scharapowa nach der Anfangsnervosität langsam die Sicherheit und vor allem die alte Verbissenheit zurück, für die die Russin von der Konkurrenz so gefürchtet wird. Sie schaffte im ersten Satz das Rebreak zum 3:3 und nahm Lisicki auch noch das Spiel zum 5:4 ab.

Bei der 21-Jährigen hatte sich die Fehlerquote merklich erhöht, die aber auch dem hohen Risiko geschuldet war, das Lisicki im Duell mit der Russin einging. In Punkto Willensstärke schenkten sich die beiden nichts und sie gingen energisch in die teils langen Grundlinienrallyes. Dass sie beide in jungen Jahren unter den Fittichen von Trainer-Guru Nick Bollettieri gewesen sind, ist ihrem Spiel deutlich anzumerken, das sich von der Anlage wenig unterscheidet. Beide Spielerinnen verfügen über extrem harte und flache Grundschläge, wobei Lisicki aber noch mehr versucht, mit Stoppbällen zu variieren. 

Gegen die Weltranglistenneunte Marion Bartoli hatte dieses Mittel im Viertelfinale noch gut funktioniert, an diesem Nachmittag aber blieb so mancher Ball Lisickis im Netz hängen. Auch weil der Druck Scharapowas stetig wuchs. Die Russin erhöhte nicht nur die Phonstärke ihres Gestöhnes, sondern auch merklich das Tempo. Doch Lisicki kämpfte, wie sie es schon von klein auf getan hatte, wollte unbedingt die Revanche für die glatte Niederlage, die ihr Scharapowa im Frühjahr in Miami beigebracht hatte. Damals gestattete sie Lisicki nur zwei Spiele. Dieses Mal war das Duell mehr auf Augenhöhe, doch auch wenn die Berlinerin bis zum letzten Ballwechsel alles gab, so blieb die Weltranglistensechste das Quäntchen stärker. 

Zu Beginn des zweiten Durchgangs hatte Scharapowa ein Break geschafft, sie legte sofort ein zweites nach. Lisicki hoffte kurzzeitig, eine Regenpause würde ihr vielleicht Luft verschaffen, doch die dunklen Wolken zogen über den All England Club hinweg. Zwar haderte Scharapowa weiterhin mit ihrem Aufschlag, die Wucht ihrer Grundschläge aber war am Ende größer als Lisickis. Die erkämpfte sich noch zwei Rebreaks im zweiten Satz, die Niederlage konnte Lisicki aber nicht mehr verhindern.

Für Scharapowa bleibt damit der Traum bestehen, nach ihrem Sieg 2004 als 17-Jährige, erneut zu triumphieren. "Mit 17 Jahren Wimbledon zu gewinnen, ist unglaublich", erkannte Lisicki an, "ich habe das nicht geschafft, aber das heißt nicht, dass ich nicht auch gut bin." In Wimbledon hatte sie das eindrucksvoll bewiesen.

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