Sport : Aus in 105 Sekunden

Die deutschen Basketballer unterliegen Angola wegen einer schlechten Schlussphase 88:92 – und scheitern bei der WM bereits in der Vorrunde

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Als Tibor Pleiß vom Feld ging, entfuhr seinem 2,15 Meter großen Körper ein Schrei voller Enttäuschung, Wut und Schmerz. Der Traum des 20 Jahre alten Basketball-Nationalspielers und seiner Mannschaft – das WM-Achtelfinale – war gerade geplatzt, vielmehr hatte das Team ihn mit den eigenen Händen zerstört. Eigentlich hatten die Deutschen ihr viertes Gruppenspiel gegen Angola schon gewonnen, ehe sie sich in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit wahnwitzige Fehler leisteten, die ihre bisher zumeist guten Auftritte in der Türkei überschatteten. Am Ende unterlagen sie dem Afrikameister mit 88:92 (78:78, 35:40) nach Verlängerung und schieden damit in der Vorrunde aus, das heutige letzte Gruppenspiel gegen Jordanien (20.30 Uhr, live bei Sport1) ist bedeutungslos.

Nach der Niederlage flossen in der deutschen Kabine „Rotz und Wasser“, wie Bundestrainer Dirk Bauermann sagte. Als einziger Spieler kam Philipp Schwethelm noch einmal heraus. „Das ist wahrscheinlich einer der schlimmsten Momente in meinem Leben und definitiv der schlimmste meiner Basketball-Karriere“, sagte Schwethelm, noch immer mit den Tränen kämpfend.

Drei Viertel lang hatte Bauermann an der Seitenlinie gebrüllt und mit den Armen gerudert, um sein Team zu unterstützen. Bis dahin hatten die Angolaner das deutsche Team mit einer Mischung aus Wuseligkeit, Kampfeswillen und Distanzwürfen vor große Probleme gestellt. Zwischenzeitlich lag Bauermanns Mannschaft schon mit zehn Punkten zurück, ins Schlussviertel ging es mit einem 54:58-Rückstand. Dann übernahmen die Deutschen mit einer 8:0-Serie endlich die Kontrolle, Alba Berlins Lucca Staiger spielte dabei seine stärksten Minuten des Turniers und traf zwei Dreipunktewürfe. „Es sah so aus, als seien wir auf dem richtigen Weg“, sagte Bauermann. Nach einem Dreier von Jan Jagla, dem mit 23 Punkten abermals besten deutschen Werfer, betrug die Führung sogar zehn Punkte. Tim Ohlbrecht traf kurz darauf scheinbar entscheidend zum 77:68, ehe 105 Sekunden des Grauens für das deutsche Team anfingen.

Angola verkürzte, dann verlor Aufbauspieler Heiko Schaffartzik den Ball, Angola punktete erneut. Steffen Hamann, der deutsche Kapitän und einer der wenigen erfahrenen Spieler, zog auf der Gegenseite zum Korb, suchte einen Mitspieler – und fand das große Nichts. Sein Pass landete im Aus, meterweit vom nächsten Deutschen entfernt. Kurz darauf verfehlte Hamann erneut unerklärlicherweise Schaffartzik mit einem Pass, diesmal bei einem Einwurf. Bauermann wollte Hamann nach dem Spiel keinen Vorwurf machen: „So etwas passiert. Das Letzte was wir jetzt machen werden, ist über individuelle Fehler zu sprechen.“

25 Sekunden vor Schluss traf der angolanische Center Felizardo Ambrosio einen glücklichen Dreier über Jagla hinweg zum 77:76 aus deutscher Sicht. „Wenn so ein Ball reinfällt, dann macht sich die Angst vor der Niederlage breit“, sagte Bauermann. Das bewies Heiko Schaffartzik, indem er nur einen von zwei Freiwürfen traf, Angola rettete sich mit zwei Treffern von der Linie in die Verlängerung. Dort fehlte dem deutschen Team sichtlich der Glauben daran, sich den verschenkten Sieg doch noch zu holen. „Das Spiel war das traurige Ende eines tollen Sommers, das die Mannschaft so nicht verdient hat“, sagte Bauermann. „Aber dieses junge Team hat ein morgen, ein übermorgen und ein überübermorgen.“

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