Sport : Aus Liebe zu Mainz

Der FSV kämpft gegen den Abstieg – mit tollen Fans, einem Team, dessen Star der Trainer ist, und einem Manager, der gratis arbeitet

Daniel Meuren[Mainz]

Wer hat das Sagen im Verein? Manager Christian Heidel. Der Ur-Mainzer gilt als ausgebuffter Verhandlungsführer. Der größte Fan des Klubs arbeitet aus Liebe zu Mainz 05 ohne Bezahlung.

Was hat sich verbessert? Nicht viel. Mainz hat nur einen prominenten Spieler geholt: Otto Addo muss nach drei Kreuzbandrissen in Dortmund jetzt zeigen, ob er an alte Form anknüpfen kann. Außerdem kommen Petr Ruman, Tom Geißler und Milorad Pekovic aus der Zweiten Liga.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Jürgen Klopp hat den sichersten Job der Liga. Er ist fast ein Heiliger in Mainz, seit er die Mannschaft erstmals in der hundertjährigen Vereinsgeschichte in die Bundesliga geführt hat – daran änderten auch sieben Niederlagen in Serie in der vergangenen Saison nichts. Klopp kann die vor 15 Jahren als Spieler begonnene Beziehung zum Klub nur selbst beenden.

Welche Taktik ist zu erwarten? In der Krise mit sieben Niederlagen in Folge kreierte Klopp die „Tannenbaum“-Taktik 4-3-2-1. Zwei laufstarke Außenstürmer verdichten seither das Dreier-Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz dermaßen, dass der gegnerische Spielaufbau gestört wird und die Mainzer sehr schnell auf Konter umschalten können.

Welche Platzierung ist möglich? Mainz 05 hat nur ein Ziel: Klassenerhalt. Das Team muss dafür wie in der Vorsaison Spieltag für Spieltag ans Limit gehen. Es wird sich zeigen, inwiefern die überraschende Uefa-Cup-Teilnahme hinderlich sein wird. Vielleicht zieht die Mannschaft daraus aber auch zusätzliches Selbstvertrauen. Dann könnte eine Platzierung wie in diesem Jahr (11.) möglich sein.

Wer sind die Stars? Der unumstrittene Top-Star ist Jürgen Klopp. Der zweite Star ist das Publikum, das dem Klub durch sein Auftreten die Uefa-Cup-Qualifikation per Fairplay-Wertung bescherte. Unter den Spielern gibt es keine Stars.

Wer hat noch Chancen auf die WM? Die Mainzer haben überdurchschnittlich viele Spieler mit deutschem Pass in ihren Reihen. Folglich sollte Bundestrainer Klinsmann mal genauer hinsehen: Innenverteidiger Manuel Friedrich hat eine hervorragende Saison gespielt. Der 25-Jährige könnte der erste Mainzer Nationalspieler überhaupt werden – die WM kommt dafür aber wohl zu früh.

Wie sind die Fans? Die Mainzer Fankultur ist in den vergangenen Jahren quasi aus dem Nichts gewachsen. In der ersten Bundesliga-Saison setzten die reiselustigen Anhänger Maßstäbe durch ihr Verhalten. Die Mainzer behandeln die Gegner stets fair. Das Stadion am Bruchweg ist in jedem Spiel mit 20500 Zuschauern ausverkauft, und die Wartelisten für Dauerkarten sind hoffnungslos lang.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesligatest

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