Sport : Aus Mangel an Beweisen

Mathias Klappenbach

Die Vorbereitungen laufen längst. In der nächsten Woche wird in Paris der Streckenverlauf der Tour de France 2007 präsentiert. Und die Topteams, die keine potenziellen Siegfahrer haben, versuchen noch welche zu verpflichten. Aussichtsreichster Kandidat ist Ivan Basso, gegen den das Dopingverfahren in Italien vor ein paar Tagen vom nationalen Radsportverband eingestellt worden ist. Aus Mangel an Beweisen und unter dem Vorbehalt, es sofort wieder aufzunehmen, falls neue, verwertbare auftauchen. So lange ist Basso unschuldig. Discovery Channel, das ehemalige Team von Lance Armstrong, hat großes Interesse daran, ihn unter Vertrag zu nehmen. Oder Jan Ullrich, dem auch ein Angebot vorliegen soll. Die Indizien gegen ihn sind allerdings stärker und zahlreicher als die gegen Basso.

Der Radsport und die Rennställe müssen jetzt eine große Frage beantworten, die über ihre Zukunft entscheiden kann. Der Ethikkodex der Teams sieht vor, keine Profis in die Pedale treten zu lassen, die des Dopings verdächtig sind. Ob sich der Kodex nur auf die Sportgerichtsbarkeit bezieht oder auch auf staatliche Ermittlungen, die derzeit in Spanien noch andauern, ist aber nicht eindeutig definiert. Die Sportgerichte stellen Verfahren nach wie vor lieber ein, wenn die Beweislage nicht absolut eindeutig ist.

Welches Team riskiert als Erstes sein Ansehen gegen die Chance, mit dem höchst verdächtigen, aber nicht verurteilten Ullrich als neuem Hoffnungsträger die Tour zu gewinnen? Gut möglich, dass es künftig zwei Arten von Radteams geben wird. Diejenigen, die sich an die neue Moral halten und die, deren Kodex noch aus einer anderen Zeit stammt.

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