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Im Spiel gegen Burghausen gibt Iwan Tischanski heute sein Trainerdebüt beim 1. FC Union

Karsten Doneck

Berlin. Die Arbeitswoche empfand Iwan Tischanski als nicht sonderlich aufregend. So viel habe sich für ihn doch gar nicht verändert, sagt er. Und: „Deswegen schlafe ich nicht schlechter, nur vielleicht ein wenig kürzer.“ Immerhin war Tischanski am Montag offiziell zum hauptverantwortlichen Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union befördert worden. Zuvor war er nur der Assistent von Georgi Wassilew, dem vor acht Tagen fristlos gekündigt wurde.

Die Arbeitsweise des Bulgaren-Doppels bei Union war gekennzeichnet durch eine klare Kompetenzverteilung. Meist leitete Tischanski die Übungseinheiten unmittelbar. Er gab die Anweisungen, war immer nah an den Spielern. Sein Chef Wassilew stand, oft die Hände auf dem Rücken verschränkt, aufmerksam zuschauend im Hintergrund. Er war der Beobachter, der Planer, der Taktik-Tüftler. Heute (15 Uhr, Stadion Alte Försterei) hat Iwan Tischanski als hauptverantwortlicher Trainer Premiere. Seine Aufstellung wird er erst vor dem Mittagessen vor dem Spiel kundtun, auch auf die Gefahr hin, dass dann manchem Spieler die anschließende Mahlzeit nicht mehr so recht schmecken wird.

Denn Stammplatzgarantien hat er keine vergeben. An wen auch? „Wir haben doch weder einen Ronaldo bei uns noch einen Marcelinho“, sagt er und lächelt. Hilfreiche Tipps für seine Aufstellung bekommt er ohnehin zur Genüge. „Ich habe viele Vorschläge bekommen, wie meine Mannschaft gegen Burghausen aussehen sollte“, sagt der 50-Jährige, „und wenn 20 000 Zuschauer ins Stadion kommen, dann gibt es vielleicht auch 20 000 Vorschläge."

Der 1. FC Union hat Tischanski unter der Woche noch einmal ein bisschen Autoritätsbeihilfe gegeben, und zwar durch eine etwas missratene Arbeitsplatzgarantie seitens des Präsidenten. „Er ist kein Notnagel. Herr Tischanski hat bei uns die Möglichkeit, für längere Zeit Cheftrainer zu bleiben“, hat Heiner Bertram gesagt. Ein paar Sätze später relativierte sich diese Aussage schon wieder. „Union sucht keinen Trainer mehr. Wir haben zwei Trainer, die Gewehr bei Fuß stehen“, sagte Heiner Bertram da. Zu den bereits in Unions Umfeld kursierenden Namen Uwe Erkenbrecher und Mirko Votava wollte sich der Union-Präsident allerdings nicht äußern.

Wie seine recht widersprüchliche Aussage zu deuten ist, darüber gab Bertram dann doch Auskunft. Sollte es mal drei Niederlagen hintereinander geben, womit natürlich niemand bei Union ernsthaft rechnet, „dann müssten wir uns zusammensetzen, analysieren und gemeinsam überlegen, wie wir den gemeinsamen Weg weitergehen“, so Bertram. Festgelegt hat sich der 1. FC Union auch schon darauf, dass Tischanski, der bei den Köpenickern noch bis zum 30. Juni 2004 unter Vertrag steht, im Falle der Inthronisierung eines anderen Trainers als dessen Assistent weiterarbeiten wird.

Tischanski hat in vielen Einzel- und Gruppengesprächen versucht, aus den Köpfen der Union-Profis die 0:7-Schmach von Köln zu vertreiben. Und was seine eigene Rolle bei Union angeht, da gibt sich der neue Mann auch keinerlei Illusionen hin. Tischanski sagt: „Entweder bin ich am Ende der Depp, oder ich bin der ganz Clevere.“

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