Sport : Aus Prinzip optimistisch

Hertha lässt sich von Schalke nicht beeindrucken

Stefan Hermanns

Berlin - Falko Götz hat mit Hertha BSC zuletzt recht ruhige Wochen verlebt. Zumindest im Vergleich zum ganz normalen Ligawahnsinn, der in diesen Tagen den gerade gewesenen Abstiegskandidaten Schalke 04 zum heißesten Anwärter auf die deutsche Meisterschaft hat werden lassen. „Es ist jede Woche ein anderer Verein“, sagt Götz. „Vor drei Wochen hat Wolfsburg noch einen Balkon bauen müssen …“ Ein schwer besorgter Fan des VfL hatte damals mit Schrecken festgestellt, dass das örtliche Rathaus ohne Balkon für die zu erwartende Meisterfeier ungeeignet wäre. Vorher aber hieß der Deutsche Meister 2005 auch schon mal Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart, Werder Bremen. Und Bayern München sowieso.

Hertha ist in dieser Saison noch nicht zu Meisterehren gekommen, was auch daran liegt, dass der Berliner Fußball-Bundesligist bisher nicht über Platz sieben hinausgekommen ist und zurzeit Rang elf besetzt. Der Optimismus seines Trainers aber bewegt sich in nahezu meisterlichen Sphären. Vor dem Auswärtsspiel am Samstag gegen Schalke sagt Götz: „Ich habe nichts gesehen, vor dem ich mich fürchten müsste.“ Heute wird er sich die Schalker noch einmal im Pokalspiel bei Eintracht Frankfurt anschauen, aber Herthas Trainer ist von seinen Gegnern prinzipiell nur schwer zu beeindrucken. Daran ändert auch die anhaltende Siegesserie der Schalker nichts. Seitdem Ralf Rangnick die Mannschaft trainiert, hat sie alle sechs Bundesligaspiele gewonnen. Dadurch sind die Schalker von Platz 17 auf Platz zwei geklettert und jetzt nur noch ein Tor von der Tabellenspitze entfernt.

Hinzu kommt die fast schon traditionelle Schwäche der Berliner bei Spielen in Gelsenkirchen. Seit dem Aufstieg 1997 hat Hertha in sieben Begegnungen ganze zwei Tore geschossen. Beim letzten Sieg der Berliner stand die Mauer noch. Am 17. September 1988 gewann Hertha 1:0, allerdings in der Zweiten Liga. Der letzte Bundesligasieg liegt sogar 34 Jahre zurück. Am 5. September 1970 erzielte der eingewechselte Hans-Jürgen Sperlich in der 88. Minute das Tor zum 1:0-Erfolg.

Trotz allem ist Falko Götz davon überzeugt, „dass wir stark genug sind, um auch den Schalkern weh zu tun“. Herthas Trainer will den Stärken der Schalker in der Offensive nicht etwa mit einer verschärften Abwehrleistung begegnen, sondern den Gegner „selbst in der Defensive beschäftigen“. Darin liege eine große Chance. „Wir werden unsere Räume bekommen“, sagt Götz. „Wichtig ist der Mut, auch nach vorne zu spielen.“ Noch wichtiger wäre, dass Hertha ein paar Tore schießt. Bisher sind es in zwölf Saisonspielen gerade mal 14 gewesen.

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