Sport : Aus Reihe zwei nach vorn

Handballer Toni Kern macht den Füchsen derzeit Mut

Hartmut Moheit

Berlin - Auch auf fünf Kilometern kann man sich manchmal verirren. Wie der Handballer Toni Kern, der wegen einer falschen Eingabe ins Navigationssystem nicht rechtzeitig bei seinem Arbeitgeber, den Füchsen Berlin, eintrifft. „Das hat etwas mit Orientierungssinn zu tun, aber der fehlt ihm ja manchmal auch auf dem Spielfeld“, frotzelt sein Trainer Jörn-Uwe Lommel ein wenig, als Kern schließlich doch eintrifft. „Ihm sei aber verziehen, in Melsungen war Toni schließlich unser bester Feldspieler.“ Prompt bekommt Kern einen roten Kopf, denn ein solches Lob vom ansonsten nicht gerade feinfühligen Lommel, das ist schon etwas. „Das ist zwar schön zu hören, aber ein Sieg wäre mir lieber gewesen“, sagt der 21-Jährige, der das 28:29 und den letzten Platz in der Bundesliga nicht verhindern konnte.

Dennoch, Toni Kern aus Frankfurt (Oder) ist es, der den Füchsen Mut macht, dass es vielleicht heute (17 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gegen den TV Großwallstadt nach vier Niederlagen in fünf Spielen endlich den ersten Erfolg für den Aufsteiger gibt. Bisher hatten es die Gegner ziemlich leicht, sich auf die Berliner einzustellen. Ein überdurchschnittlicher Torhüter und eine sehr defensiv eingestellte 6:0-Deckung reichten allein schon aus, um die Angriffe der Füchse zu entschärfen. „Wir wussten doch, dass aus dem Rückraum der Berliner wenig Gefahr kommt“, sagte Wetzlars Trainer Volker Mudrow nach der letzten Füchse-Pleite in Berlin.

Das soll der Rechtshänder Toni Kern im halblinken Rückraum ändern. „Er geht dahin, wo es wehtut; er kann aus der zweiten Reihe hart und präzise werfen“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning. Damit kann kein anderer Spieler bei den Füchsen zurzeit aufwarten, schon gar nicht die vermeintliche Verstärkung Janko Bozovic auf der größten Problemposition halbrechts. „Uns fehlen die einfachen Tore“, kritisiert Lommel, „aber wir machen auch viel zu viele Fehler und schenken dem Gegner die Bälle.“ Davon nimmt sich auch Kern nicht aus. „Das passiert mir auch, und das mit der Orientierung im Spielaufbau stimmt schon“, sagt er.

Dabei hat Kern das Talent und die körperlichen Voraussetzungen dazu, ein Klassespieler zu werden. Wie sein Vater Uwe, der einstige DDR-Nationaltorwart, versuchte er sich anfangs als Schlussmann. Aber erst als Feldspieler begann sein Aufstieg. Erst zum überdurchschnittlichen Spieler in der Zweiten Liga in Dessau; jetzt ist er dabei, sich in der Bundesliga einen Namen zu machen. Die nächste Chance dafür bietet sich gegen Großwallstadt – wenn er rechtzeitig zum Anpfiff da ist. „Lass bloß dein Navi aus“, sagt sein Kollege Pavel Prokopec und lacht.

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