Sport : Aus zehn werden fünf - und wird eine

DIETMAR WENCK

BERLIN .Vielversprechend haben die 92.German Open der Damen am Montag aus deutscher Sicht begonnen.Zehn Spielerinnen der gastgebenden Nation standen im Tableau der 56, die sich auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß mehr oder weniger Hoffnungen auf den Titel machen durften.In der zweiten Runde waren es noch fünf, doch bereits im Achtelfinale war das deutsche Aufgebot auf eine Spielerin geschrumpft.Es erübrigt sich beinahe zu erwähnen, daß es sich bei dieser einen um Steffi Graf handelt."Seit 17 Jahren komme ich jetzt hierher", sagte die 29jährige, "das hört sich schon schrecklich an." Das Publikum am Rande des Grunewaldes wird es sicherlich viel schrecklicher finden, wenn sie eines Tages nicht mehr dabei ist.Gestern war der 7000 Zuschauer fassende Centre Court wiederum bestens gefüllt, als die neunmalige Berlin-Siegerin mit 7:6 (7:5), 6:2 Cara Black aus Simbabwe bezwang und damit ins Viertelfinale einzog.Dort trifft sie auf die Französin Julie Halard-Decugis.Beide Finalistinnen des vergangenen Jahres, Amelie Mauresmo (Frankreich) und Titelverteidigerin Conchita Martinez (gegen Arantxa Sanchez-Vicario), sind im Achtelfinale ausgeschieden.Die Schweizerin Martina Hingis, Nummer eins der Welt, zog ohne Probleme ins Viertelfinale ein.

Cara Black ist erst seit eineinhalb Jahren Profi, doch die Schwester des Davis-Cup-Teams von Simbabwe - ihre Brüder Wayne und Byron vertreten ihr Land in der Weltgruppe - hat bereits Rang 34 der Computer-Rangliste erreicht.Die kleine Person von nur 167 cm Körperlänge ist ein großes Talent.Kurios für einen Tennisprofi: Die 20jährige hat Angst vorm Fliegen.Angst vor großen Namen hat sie dagegen nicht.

Zwei Tage zuvor hatte Steffi Graf unter großen Mühen in drei Sätzen gegen die Jugoslawin Sandra Nacuk (Nr.102) gewonnen.Diesmal benötigte sie nur 1:37 Stunden gegen die Nummer 34.Nun hat sie es mit der Nummer 21 zu tun."Ich brauche noch ein paar Spiele", sagte sie, "aber heute lief schon einiges besser." Vor allem spielte sie um einiges geduldiger.Geduld spielt speziell auf Sand eine große Rolle.Wenn es noch ein gewisses Manko gibt in ihrem Spiel, dann ist es der zu unkonstante Aufschlag.Wenn er mit der gewohnten Härte im Felde Cara Blacks einschlug, bekam diese Probleme.Doch den zweiten Aufschlag griff sie beherzt an.Die Zeiten, in denen die Gegnerinnen in Respekt vor Steffi Graf versanken, sie scheinen endgültig vorbei zu sein.

"Die Reporter sagen immer, hinter Steffi kommt nichts.Aber das ist nicht richtig", beharrte die Deutsche Meisterin Julia Abe aus Bielefeld, "wer kann schon von sich behaupten, in seinem Beruf die Nummer 40, 60 oder 100 zu sein?" Die 22jährige ist die Nummer 168 in ihrem Beruf und gestern ausgeschieden.In der Fortsetzung der am Mittwoch wegen Dunkelheit abgebrochenen Partie gegen die Französin Amelie Mauresmo unterlag sie 5:7, 6:4, 2:6."Das war schade, sie war gestern schon ziemlich müde", sagte Abe.Sie konnte aber das taktisch kluge Konzept des Vortages nicht fortsetzen."Vieles liegt im Kopf, ich muß optimistischer auf den Platz gehen", übte Julia Abe sympathische Selbstkritik.Wohin sie kommen wolle? "Die meisten sagen, ich sei stark genug für die ersten 100", antwortete sie.Im Presseführer, der alphabetisch geordnet ist, steht sie übrigens an erster Stelle.

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