Sport : Ausfall Nummer drei

Handball-Kapitän Baur reist verletzt nach Hause

Klaus Rocca

Ljubljana. Wenn Bundestrainer dichten, hat das selten ein gutes Ende. Passend zum Umzug der deutschen Handball-Nationalmannschaft in die slowenische Hauptstadt hatte Heiner Brand am Montag gereimt: „Vielleicht wird Ljubljana für uns ja noch zum Jubel-jana.“ Die literarische Welt quittierte das Werk mit Schweigen, und auch die Sache mit dem Jubel hatte sich bei der Handball-Europameisterschaft schnell erledigt, jedenfalls aus deutscher Sicht: Gestern Mittag erfuhr Bundestrainer Heiner Brand, dass sein Mannschaftskapitän Markus Baur (Foto: Schupfner) nicht mehr dabei sein wird, wenn es bei der EM ernst wird. Baur erlitt im letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich ohne Einwirken eines Gegners einen Meniskuseinriss im rechten Knie und flog bereits am Abend nach Deutschland zurück. Heute soll er operiert werden.

„So langsam reicht mir aber die Pechsträhne“, stöhnte Brand. Da dachte er wohl an Stefan Kretzschmar, der nach seiner Leistenoperation nicht rechtzeitig fit wurde und erst gar nicht mit nach Slowenien flog. Auch an Frank von Behren, der ihm kurzfristig abgesagt hatte, weil er sich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte fühlte. Mit Baur fällt nun der dritte Leistungsträger aus. Am Donnerstag vergangener Woche hatte Baur im Mannschaftskreis noch seinen 33. Geburtstag gefeiert, einen Tag später warf er zwölf Tore beim Sieg gegen Polen. Mit insgesamt 18 Treffern stand Baur vor dem gestrigen ersten Hauptrunden-Spieltag in der Torschützenliste auf dem fünften Platz. Mehr werden es nicht. Auf sein 171. Länderspiel und sein 529. Tor muss Markus Baur nun eine Weile warten.

Der in Meersburg am Bodensee geborene Baur, 2000 und 2002 Deutschlands Handballer des Jahres, erlebte bei der letzten Weltmeisterschaft in Portugal seinen sportlichen Höhepunkt, als er die deutsche Mannschaft als Kapitän auf den zweiten Platz führte.

Baurs Verletzung, so unglücklich sie auch ist, lässt erneut Kritik an den enormen Belastungen der Nationalspieler aufkommen. Länderspiele, Europapokal, DHB-Cup und Bundesligaspiele setzen den Betroffenen hart zu. „Aus medizinischer Sicht ist eine solche Belastung auf Dauer nicht zu vertreten“, sagt Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier.

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