Sport : Ausflug ohne Gewehr

Beim Biathlon-Finale in Oslo ist Frank Luck nur Zuschauer

Helen Ruwald

Berlin. Ganz gemütlich flog Frank Luck gestern nach Oslo. Er dachte nicht an Spitzenzeiten in der Loipe und fehlerfreies Durchkommen am Schießstand beim Weltcup-Finale der Biathleten am Holmenkollen. Der 36-jährige Oberhofer träumte stattdessen von Sonne: „Bei schönem Wetter kann man über den Fjord auf die Schiffe gucken. Der Holmenkollen ist der heilige Berg der Norweger, parallel findet dort auch Skispringen statt, das wird ein großes Volksfest.“ Und Luck wird mitfeiern. Die Zeiten, da er Disziplin üben und rechtzeitig ins Bett gehen muss, um fit für den Wettkampf zu sein, sind vorbei. Nach der Weltmeisterschaft im Februar in Oberhof hat er seine Karriere beendet, ein paar Wochen früher als ursprünglich geplant. Eigentlich wollte Luck in Oslo starten, doch zwei Tage nach der WM entschied er sich für den sofortigen Rücktritt. „Als die Euphorie verflogen war und ich wieder einen klaren Kopf hatte, dachte ich, dass die WM durch nichts zu toppen ist“, erzählt Luck. Mit der Staffel holte er Gold, sein elftes WM-Gold, und wurde zum weltweit erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten.

Die Saison war die schlechteste, die Luck je erlebte. Er lief zu Jahresbeginn auf die Ränge 39 und 54 und musste sogar um die WM-Teilnahme in seinem Heimatort bangen. Doch mit dem Staffeleinsatz, bei dem er sich als Startläufer keinen Fehlschuss leistete, manövrierte er sich aus der Krise.

In Oslo wird er für seine Kollegen die Ski testen und ihre Rennen erstmals von der anderen Seite, als Zuschauer, erleben. Sein Abschiedsrennen, das erste überhaupt für einen Biathleten, findet am 12. Juni in Oberhof statt. Auf Rollskiern werden die deutschen Kollegen, aber auch Stars wie Ole Einar Björndalen, an den Start gehen.

Luck ist Berufssoldat, Hauptfeldwebel in der Sportfördergruppe Oberhof, „mein Dienst geht noch etwa bis 2021. Mein Dienstplan ist mein Trainingsplan“. Gemeinsam mit den Oberhofer Kollegen wie Sven Fischer wird er hin und wieder trainieren, allerdings ohne den ständigen Blick auf die Uhr. Luck ist ein exzellenter Schütze, deshalb soll er künftig bei den deutschen Biathleten im Schießbereich eingesetzt werden. Entsprechende Gespräche hat er mit dem Deutschen Skiverband geführt. Zunächst wird er „Waffen testen“ und später auch Sportler am Schießstand ausbilden, erst Jugendliche, dann auch Mitglieder des A- und B-Kaders.

Im April oder Mai wird Frank Luck mit seinem Gewehr wieder losziehen. Nach Namibia oder Ostafrika. Zur Jagd.

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