Sport : Ausflug ohne Mitgift

Hartmut Moheit

Fast ununterbrochen klingelt bei Peter Mücke das Telefon. Seine Antworten verraten, dass es um Sponsoren, neue Fahrer und die Autos für die kommende Saison geht. Das Team Mücke-Motorsport aus dem Korkedamm in Altglienicke ist in der Rennsportszene sehr gefragt. Vor allem um den 19-jährigen Stefan Mücke, der drei Jahre Formel 3 hinter sich hat und in diesem Jahr deutscher Vizemeister wurde, reißen sich viele. Mercedes hat ihn an sich gebunden, als Junior, und beansprucht damit auch das letzte Okay vor einer neuen Vertragsunterzeichnung. "Wir sind beim Ausloten der Angebote", sagt Peter Mücke schnell, um damit der Frage nach dem Ziel für 2002 zuvorzukommen. Er beherrscht den Branchen-Kodex perfekt: auf alles eine Antwort parat haben, aber nichts Konkretes sagen. Wenigstens bestätigt er, dass Markus Winkelhock im Team bleibt.

Nur kann Mücke Senior nicht mehr verheimlichen, dass es heute über Washington und Las Vegas nach Fontana zur Champ Car geht. Was aus seiner Sicht auch gut als Dankesreise für elf Mitreisende aus dem Team für die vergangenen Monate bezeichnet werden könnte, hat natürlich einen ganz anderen Hintergrund. Zwischen Formel 3, Formel 3000 und Deutscher Tourenwagen-Meisterschaft ist das US-amerikanische Pendant zur Formel 1 eine mögliche Option für das große Rennsporttalent aus Berlin. Er und sein Vater machen sich im Moment noch keinen großen Kopf darüber, dass ein Champ-Car-Engagement nur mit einer Mitgift von mehreren Millionen Mark möglich wäre. Präsent sein, verhandeln und lernen, das steht über allem. Drei konkrete Angebote von dieser Seite gibt es. Diesmal wurde der Mücke-Clan von Brooke Racing zum Saisonabschluss, einem Oval-Rennen auf dem California Speedway, eingeladen. Der Brasilianer Max Wilson fährt für dieses Team.

"Es wäre aber falsch, daraus etwas für 2002 abzuleiten zu wollen", beeilt sich Peter Mücke diesem Trip über den Großen Teich ("Er ist ein Teil unserer Orientierung") etwas ganz Normales zu verleihen. Stefan Mücke gibt wenigstens zu, dass er mit dem Abnabeln vom Elternhaus keine Probleme hätte. "Das kommt doch ohnehin", sagt er. Mitnehmen, wohin auch immer, würde er die Freundin und seinen Stamm-Ingenieur, den Schweizer Peter Flückinger.

Nicht die kleinste Regung lässt beim Junior darauf schließen, ob ihn die nunmehr auch in Deutschland präsente Rennserie besonders reizen würde. Stefan Mücke sagt - und sein Vater nickt gelassen im Hintergrund: "Nicht einmal unter vier Augen reden wir über die beste Lösung." Schwer zu glauben, aber offensichtlich haben die Mückes alles im Visier, was einen Schritt nach vorn bedeutet.

"Ich bin davon überzeugt", offenbart der Vater, "dass Stefan mit seinem Können als Profi im Motorsport seinen Platz finden wird." Seine derzeitigen Gegner verdienen heute schon ihre Geld als Berufsfahrer, während Stefan Mücke im Januar - als Klassenbester - in der Kfz-Branche erst einmal die Prüfungen für den Gesellenbrief absolvieren wird. Geschenkt wird ihm nichts. Ebenso wenig bekommt Peter Mücke irgendwelche Präsente versprochen, wenn es in diesen Tagen ununterbrochen bei ihm klingelt.

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