Sport : Ausführen eines Freistoßes

Schiedsrichter Amerell erklärt, warum Bayerns 1:0 irregulär war

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NACHSPIEL

Elfte Minute im Münchner Olympiastadion: Ein BayernSpieler wird am Mittelkreis gefoult. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer entscheidet auf Freistoß. Der Ball ist nach dem Foul etwa zehn Meter weiter nach links zu Zé Roberto gesprungen. Der Mittelfeldspieler spielt den Ball von dieser Stelle sofort lang auf Stürmer Roy Makaay, der von der Strafraumgrenze das 1:0 für den FC Bayern erzielt. War das korrekt, Herr Amerell?

Nein, sicher nicht. Zwar hat der Schiedsrichter in solchen Fällen einen Ermessensspielraum, nur wurde in diesem Fall die Schmerzgrenze überschritten. Grundsätzlich besagt Regel 13, dass Freistöße am Tatort auszuführen sind. Im Interesse der schnellen Spielfortsetzung ist es in Ordnung, wenn die Regel ein wenig großzügiger ausgelegt wird. Schließlich soll der angreifende Spieler durch das Foul oder das Handspiel seines Gegners keinen Nachteil erleiden.

Gerade im Mittelfeld ist es häufig nicht so tragisch, wenn der Spieler den Ball drei, vier Meter zur Seite legt und von dort weiter spielt. Dann ist es gut, wenn das Spiel schnell weiterläuft. Er darf den Ball nur nicht nach vorn legen. Aber in diesem Fall waren es ja bestimmt zehn Meter. Das ist auch im Mittelfeld in jedem Fall zu viel. Da hat der Schiedsrichter dem Spieler zu viel Spielraum zugestanden. Wenn die Mannschaft sich, wie hier, durch das Verlegen des Balls außerdem noch einen entscheidenden Spielvorteil verschafft, muss man erst recht abpfeifen. Da gilt dann der Grundsatz „Sicherheit vor Schnelligkeit“. Also: den Ball zurückpfeifen, das Spiel beruhigen und den Freistoß wiederholen lassen.

Noch strenger als im Mittelfeld muss man die Regel 13 bei Freistößen vor dem gegnerischen Strafraum auslegen. Da muss der Schiedsrichter sehr genau darauf achten, dass der Freistoß exakt am richtigen Ort ausgeführt wird. Auch wenn die Zuschauer dann häufig pfeifen und sagen: Mein Gott, ist der wieder kleinlich.

Manfred Amerell erklärt im Wechsel mit Hellmut Krug eine aktuelle Szene der Fußball-Bundesliga. Er ist Mitglied im Schiedsrichterausschuss des DFB.Foto: ddp

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