Sport : Ausgepfiffen

Der Berliner Schiedsrichter Hoyzer soll Spiele manipuliert haben, um bei Wetten Geld zu gewinnen

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Berlin Das Fußballspiel in Paderborn lief erst wenige Minuten, da kamen beim Hamburger SV schon erste Zweifel auf. „Ich habe nach 20 Minuten zum Assistenten gesagt, dass hier was faul ist“, sagte der damalige Hamburger Trainer Klaus Toppmöller. Das Spiel fand am 21. August 2004 statt in der ersten Runde des DFB-Pokals, und es gab die erste Sensation: Der Drittligist SC Paderborn warf den HSV 4:2 aus dem Pokal. Jetzt könnte sich herausstellen, dass Trainer Toppmöller der Wahrheit damals sehr nahe war.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gab gestern bekannt, dass er gegen den 25 Jahre alten Schiedsrichter Robert Hoyzer aus Berlin wegen „unsportlichen Verhaltens“ ermittelt. Hoyzer leitete damals das Pokalspiel. Offiziell teilte der DFB mit: „Es besteht der Tatverdacht, dass er Einfluss auf Ergebnisse von ihm geleiteter Spiele genommen und sie damit möglicherweise manipuliert hatte.“ Dies geschah nach den Ermittlungen des DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert, „um sich Geldvorteile zu verschaffen, indem er auf ein von ihm gewolltes Spielergebnis gewettet haben soll“. Hoyzer war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach den Ermittlungen war Hoyzer am Freitag überraschend aus seinem Verein Hertha BSC ausgetreten und somit auch aus dem Verband. In Verbandskreisen wurde das als „sehr, sehr merkwürdige Reaktion“ bezeichnet. In einer Vernehmung des DFB hatte Hoyzer keine Angaben gemacht, weil er nicht mehr der Disziplinargewalt des DFB unterliege. Herthas Manager Dieter Hoeneß sagte: „Das ist allein eine Angelegenheit des DFB.“

Der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte auf Anfrage: „Ich bin maßlos enttäuscht. Wenn diejenigen, die zur Neutralität verpflichtet sind, betrügen, dann ist das schlimmer als Verfehlungen von Spielern.“ Hinter vorgehaltener Hand gab es offenbar schon länger Gerüchte über mögliche Manipulationen von Hoyzer. Woher die jüngsten Informationen stammen, wollte der DFB nicht preisgeben, um die Zeugen zu schützen. Für den Hamburger SV schloss Vorstandsmitglied Katja Kraus aus, dass die jüngsten Informationen aus ihrem Verein kamen. Der DFB teilte mit, dass sich am Ergebnis der Spiele auch dann nichts ändern werde, wenn sich der Verdacht der Manipulation bestätige. Auch sei es Schiedsrichtern offiziell nicht verboten, auf Spiele zu wetten, sagte ein langjähriger Bundesliga-Schiedsrichter.

Dafür muss Hoyzer, der als großes Schiedsrichter-Talent galt, zivilrechtliche Konsequenzen befürchten. So kündigte Katja Kraus vom HSV an, dass ihr Klub juristische Schritte prüfe. Im Pokalspiel in Paderborn gab Hoyzer zwei fragwürdige Elfmeter für Paderborn und zeigte dem Hamburger Mpenza wegen Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte. In der Halbzeit soll Hoyzer in der Kabine der Paderborner gesagt haben: „Spielt ihr mal so weiter, den Rest erledige ich.“

Das Pokalspiel im August ist zwar das einzige, dass der DFB öffentlich nennt, es ist aber von weiteren möglicherweise manipulierten Spielen die Rede. Bis zuletzt hatte der DFB seinen Schiedsrichter stets in der Öffentlichkeit in Schutz genommen. Am Mittwochabend hat der DFB jedoch vom Verdacht der Manipulation erfahren. Es müssen brisante Aussagen gewesen sein. AG/ide/miro/teu

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