Sport : Ausgeschieden mit Ö

Bei den German Open verlieren die drei Deutschen Grönefeld, Barna und Schruff

Benedikt Voigt

Berlin. Sie stand nach der Pressekonferenz etwas schüchtern im Gang unter dem Turnierplatz B der German Open, als sie einen kleinen Irrtum aufklären konnte, der seit einiger Zeit durch deutsche Zeitungen geistert. „Man schreibt mich im Deutschen mit ö und nicht mit oe“, sagte Anna-Lena Grönefeld. Sogar auf dem Schild bei der Pressekonferenz war der Name der 19-jährigen Tennisspielerin nicht richtig geschrieben. „Das kommt, weil die offizielle Sprache auf der WTA-Tour Englisch ist“, erklärt sie. Die Frage nach der richtigen Schreibweise ihres Namens ist bezeichnend für den Zustand des deutschen Damentennis. Ist Steffi Graf jemals in Deutschland gefragt worden: Graf mit einem f oder zwei?

Die Namen der aktuellen deutschen Tennisspielerinnen sind deshalb weitgehend unbekannt, weil seit Jahren der Erfolg ausbleibt. Auch die German Open in Berlin werden daran nichts ändern. Gestern schieden die letzten drei deutschen Spielerinnen aus dem Turnier aus. Anna-Lena Grönefeld unterlag in ihrem Erstrundenmatch der Kroatin Karolina Sprem 4:6, 2:6, Anca Barna leistete etwas mehr Gegenwehr. Die aktuelle Nummer 49 der Weltrangliste und damit bestplatzierte Deutsche verlor gegen die an Nummer fünf gesetzte Russin Nadja Petrowa 4:6, 3:6. Anschließend beschwerte sie sich über den Spielplan. „Normalerweise hat man einen Tag frei, wenn man das erste Match gewonnen hat“, sagte Barna, „in jedem anderen Land wäre das auch so.“ Sie aber habe keine Pause bekommen. „Man bekommt das Gefühl, dass das Turnier die deutsche Nummer eins so schnell wie möglich loswerden möchte.“ Im deutschen Fedcup-Team möchte die 27-Jährige nur spielen, wenn der Verband ihr dafür 25 000 Euro zahlt. Durch die Ansetzung in Berlin fühlte sich Barna in ihrer Kritik am Deutschen Tennis Bund bestätigt. „Der DTB setzt sich zu wenig für seine Spieler ein.“

Auch Julia Schruff hatte die erste Runde überstanden und musste bereits am nächsten Tag wieder spielen. Die Augsburgerin verlor gegen die US-Amerikanerin Jennifer Capriati vor 7000 Zuschauern auf dem Centre Court 3:6, 1:6. „Es war mein erstes Match gegen eine Spielerin aus den Top Ten“, sagte die 21-Jährige. Ihr bisher größter Erfolg ist das Erreichen des Finals von Estoril. Deshalb war sie auch nicht sonderlich nervös, plötzlich auf einem Centre Court zu spielen. „Es war eine super Atmosphäre.“ Im ersten Satz hatte sie gegen Jennifer Capriati immerhin drei Spiele gewonnen. „Dann habe ich zu denken angefangen, dass ich vielleicht doch eine Chance habe gegen sie“, sagte Schruff, „das sollte man nicht tun.“ Doch auch den einseitigen zweiten Satz wird sie nicht ausschließlich negativ in Erinnerung behalten. „Da hatte ich auch meine Chancen.“

Julia Schruff trainiert unter ihrem Vater und möchte, dass sich daran am liebsten niemals etwas ändert. „Ich werde immer mit meinem Papa trainieren, egal wie’s läuft“, sagte Schruff, „wir sind telepathisch verbunden.“ Bei den Turnieren muss ihr Vater und Trainer jedoch zu Hause bleiben, weil er als Tennislehrer arbeiten muss. Dafür begleitet ihre Mutter sie auf der Tour.

Die größten Hoffnungen im deutschen Damentennis ruhen jedoch gegenwärtig auf Anna-Lena Grönefeld. Im vergangenen Jahr hat sie einen großen Sprung in der Weltrangliste gemacht, inzwischen liegt sie auf Rang 98. Sie führt das zurück auf ihren Schritt, in ein Trainingslager in Phoenix/Arizona zu wechseln, wo sie mit ihrem Trainer Rafael Font de Mora übt. Gestern jedoch enttäuschte sie. „Ich bin nicht zufrieden“, sagte die 19-Jährige nach ihrer Niederlage gegen die Kroatin Sprem, „ich hätte besser spielen müssen.“ Im zweiten Satz brachte sie ihren ersten Aufschlag nur noch selten ins Feld. „Das ist ein Schwachpunkt von mir, den ich noch verbessern muss.“ Immerhin hatte ihr kurzer Auftritt in Berlin einen kleinen Nutzen: Ihr Name dürfte demnächst nicht mehr so oft falsch geschrieben werden.

Die heutigen Ansetzungen siehe „Zahlen“

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