Sport : Ausgezählt: Der Weg des Ringarztes zu seinem Patienten

miro

Vier Minuten lag der Herausforderer von Sven Ottke reglos im Ring. Es waren vier bange Minuten bis der niedergeschlagene Anthony Mundine wieder zu sich kam. Während sich der Sieger feiern ließ, kümmerte sich Ringarzt Dr. Walter Wagner um Mundine. Allerdings erst, nachdem der New Yorker Ringrichter Wayne Kelly den Australier ausgezählt hatte und sich mancher Beobachter fragte, ob das denn nicht fahrlässig war. "Dass der Kämpfer schwer getroffen war, konnte jeder sehen", sagt Ringarzt Wagner, "ich muss nicht auf Anweisungen des Ringrichters warten." Er habe sich sofort auf den Weg in den Ring gemacht und sei so schnell wie möglich bei dem niedergeschlagenen Boxer gewesen.

Wagner ist seit 25 Jahren Ringarzt und gilt als Kapazität. Ob der Ringrichter den Niedergeschlagenen hatte erst auszählen müssen oder nicht, sei mal dahingestellt, meint Wagner. Der Ringrichter könne als Laie schwer die Schlagwirkung einschätzen. Es wäre auch möglich gewesen, den Kampf sofort für beendet zu erklären, was lediglich Auswirkung auf die Urteilsformulierung gehabt hätte. Aus dem K.-o. wäre ein technischer K.-o. geworden. "Mundine war etwa zwischen 30 und 60 Sekunden bewusstlos", sagt Wagner. Wichtig sei, dass dem Kämpfer sofort der Mundschutz entnommen wird. "Das gestaltete sich schwierig, da es nicht so leicht war, Mundine den Mund zu öffnen." Schließlich sei es einem seiner Betreuer gelungen. Gefährlicher als der Schlag gegen die Schläfe war, "dass er mit dem Hinterkopf auf den Ringboden knallte." Zur Vorsorge ordnete Wagner die Einweisung ins Krankenhaus an. "Die neurologische Untersuchung fiel negativ aus." Das heißt, sie war in Ordnung. Der International Boxing Federation (IBF) empfahl Wagner, Mundine mit einer Schutzsperre von einem Vierteljahr zu belegen.

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