Auslaufen mit Frank Lüdecke : Wie Bas Dost lecker schlafen kann

Wolfsburg ohne Dost - geht nicht. Aber sauer kann man ja trotzdem mal sein. Unser Kolumnist Frank Lüdecke hat in der Bundesliga ganz genau hingehört.

Frank Lüdecke
Zwei Tore und kuscheln. Bas Dost hatte einen merkwürdigen Samstag. Foto: AFP
Zwei Tore und kuscheln. Bas Dost hatte einen merkwürdigen Samstag.Foto: AFP

Heute mal eine richtig ausgeruhte Fußballglosse. Die Erkenntnis des letzten Spieltages lautet nämlich: Es gibt Stürmer, die können nach Toren richtig „lecker schlafen“.

Aber der Reihe nach. Eine Fußballmannschaft besteht aus elf Spielern. Das denkt man jedenfalls, aber so ist es ja gar nicht. Eigentlich besteht eine Fußballmannschaft heute aus 22 oder nicht selten sogar aus über 30 Spielern. Es können aber eben nur elf auf dem Platz stehen, leider. Der holländische Stürmer Bas Dost vom VfL Wolfsburg zum Beispiel durfte am Wochenende zunächst nicht mitspielen. Er hatte sich während der Woche uninspiriert gezeigt und wurde für seine Trainingsperformance von seinem Übungsleiter Dieter Hecking vor versammelter Medienschar solide zusammengefaltet. Das war eine kleine Retourkutsche. Kurz zuvor hatte nämlich der Stürmer seinen Trainer öffentlich für seine Nichtberücksichtigung kritisiert. Er wolle immer spielen und wenn er Tore schieße, könne er halt „lecker schlafen“.

Na, das muss ja ’ne prima Nacht gewesen sein. Der Stürmer hatte nach seiner späten Einwechslung gleich zwei Treffer erzielt, die das Spiel entschieden. Gegen welche Mannschaft, das soll in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen. Nur so viel: Das andere Team spielte für seine Verhältnisse sehr gut und wurde nach Aussagen neutraler Beobachter bei zwei Schiedsrichterentscheidungen etwas benachteiligt. Andere Beobachter – wie ich zum Beispiel –, die ihre Neutralität nicht ganz so im Griff haben, sahen die Sache etwas dramatischer. Sie meinten, der Schiedsrichter solle sich die Szenen noch mal in Ruhe ansehen und dann erklären, ob er aufgrund seiner getroffenen Entscheidungen lecker schlafen könne.

Apropos. Bei Borussia Mönchengladbach haben sich die Ruhezeiten verschoben. Sie liegen jetzt nachts wach in den Kissen und wälzen sich vor Gram, dafür schlafen sie während des Spiels. Aber so richtig lecker. Vor allem in der Abwehr. Es war inzwischen bereits das fünfte Spiel in Folge, das sie in der Liga verloren haben. Da entwickelt sich langsam ein Problem. Es kann doch nicht sein, dass alle anderen Mannschaften ausgeruht ins Spiel gehen und nur die Gladbacher ausgeruht aus dem Spiel herauskommen, weil sie wieder alles verschlafen haben.

Einzig Trainer Favre wirkte extrem müde und gerädert. Aus dieser Niederlage könne man aber wenigstens etwas mitnehmen, sagte er nach dem Spiel. Was genau, blieb erst einmal offen, bis er dann am Sonntagabend tatsächlich etwas mitnahm, nämlich seinen Hut auf den Weg heim in die Schweiz. Und jetzt? Auch ohne Favre und seinen Hut könnten die Gladbacher bald vollends ins Wachkoma fallen, wenn da nicht bald mal jemand richtig lecker ins Tor trifft.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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