Auslaufen mit Lüdecke : Alles so schön und besinnlich

Weihnachtsgeschenke kaufen statt Punkten nachzutrauern: Nürnbergs Trainer Gertjan Verbeek überrascht unseren Kolumnisten Frank Lüdecke mit seiner Aussage nach dem seltsamen Spiel von Hannover.

Frank Lüdecke
Noch keine Bank. Gertjan Verbeek hat mit Nürnberg bisher kein Spiel gewonnen.
Noch keine Bank. Gertjan Verbeek hat mit Nürnberg bisher kein Spiel gewonnen.Foto: dpa

Nach dem 3:3 gegen Hannover waren die Nürnberger Spieler stocksauer. Nach so einem Spiel – vollstes Verständnis! Aber ihr holländischer Trainer Gertjan Verbeek? Der zog direkt nach dem Schlusspfiff eine verblüffende Konsequenz. Er sagte nicht: Wir müssen mehr Freistöße üben! Oder: Die Zuordnung in der Abwehr muss besser trainiert werden! Nein. Er sagte, die Spieler sollten jetzt mit ihren Kindern Weihnachtsgeschenke kaufen.

Das habe ich nicht verstanden. Zum einen haben einige Nürnberger Spieler gar keine Kinder, andere feiern kein Weihnachten. Und außerdem kauft man doch Weihnachtsgeschenke ohne die Kinder, wegen der Überraschung. Vielleicht meinte Verbeek aber auch nur, dass es Wichtigeres im Leben gibt, als einem verschenkten Sieg nachzutrauern, nämlich Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen.

Oder ging es dem Trainer ums Einkaufen selbst? Also eine indirekte Anweisung an seine Spieler, durch Frustkäufe das verhasste Unentschieden zu kompensieren? Damit ihnen klar wird, wir gewinnen als Mannschaft zwar keine Spiele, aber finanziell steht jeder Einzelne von uns gar nicht so schlecht da. Wir werden das im Rahmen dieser Glosse nicht klären können.

Trotzdem ist der Fall Nürnberg interessant.

Vor zwei Monaten hat der Club seinen Trainer Michael Wiesinger entlassen. Das war zwingend notwendig geworden. Die Nürnberger waren Drittletzter und hatten kein einziges Spiel gewonnen! Seitdem hat sich vieles verändert. Nun sind sie Vorletzter und können unter einem anderen Trainer nicht gewinnen. 16 Spiele, (fast) eine ganze Hinserie ohne einen Sieg, das ist neu und soll auch hier gebührend anerkannt werden. Kompliment! Rechnet man noch die Begegnungen der vorigen Saison dazu, sind die Nürnberger sogar seit sieben Monaten ohne Erfolg!

Eigentlich hatte Nürnberg das Spiel in Hannover bereits für sich entschieden. Man führte zur Halbzeit 3:0. Man hätte fünf oder auch sechs Tore schießen können. Und was passiert? Man kassiert zwei Gegentore in den letzten drei Minuten! Eines unglücklich, das andere irregulär.

Wie ungerecht es doch zugehen kann. Manchmal fehlen einem die Worte. Trainer Verbeek musste drei Mal einatmen, bevor er etwas sagen konnte auf der Pressekonferenz. Aber das ist im Sport nicht anders als in der Politik etwa. Auch hier kann eine Partei eine Wahl eigentlich gewonnen haben und steht dann kurz vor Schluss bei der Vergabe der Ministerposten plötzlich mit einer Art Unentschieden da. Aber das ist ein anderes Thema.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Zeichnung: Tsp

Wenn wir das Weihnachtsfest als Fixpunkt der Hinserie deuten, dann haben einige Vereine die Bescherung schon hinter sich. Dazu zählen natürlich erst mal Bayern München, dann Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, für mich auch Augsburg und natürlich Hertha BSC. Die famose Hinrunde des Aufsteigers schließt mit Platz sechs (oder sieben) auch gleich die Segnungen des Osterfestes mit ein.

Tja. Alles könnte so schön und besinnlich sein, in diesen Tagen. Wären da nicht die Nürnberger. Einige von ihnen tun mir besonders leid. Sie müssen auf Anweisung ihres Trainers über den Christkindlmarkt schlendern und Geschenke für Kinder kaufen, die sie gar nicht haben.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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