Auslaufen mit Lüdecke : Bis auch der Letzte im Ziel ist

Was hat Pep Guardiola da bloß von sich gegeben? Was macht eigentlich Hertha? Und was hat das alles mit einem 5000-Meter-Lauf gemein? Unser Kolumnist hat sich mal wieder Gedanken gemacht zum zurückliegenden Bundesliga-Wochenende.

Frank Lüdecke
Wenn da mal kein Restalkohol im Spiel war: Pep Guardiola verblüffte am Wochenende mit einer eigenwilligen Analyse.
Wenn da mal kein Restalkohol im Spiel war: Pep Guardiola verblüffte am Wochenende mit einer eigenwilligen Analyse.Foto: Imago

Jetzt also noch sechs Spiele, dann ist die Meisterschaft vorbei. Das heißt, eigentlich ist sie ja schon vorbei. Bayern hat ja bereits gewonnen, muss aber die Saison noch zu Ende spielen. Eine Zumutung eigentlich. Aber im Fußball ist das so. In der Leichtathletik wäre es undenkbar. Bei einem 5000-Meter- Lauf etwa. Der Sieger ist schon im Ziel, muss aber so lange weiterlaufen, bis es auch der Letzte geschafft hat. Die allerschnellsten Zeiten dürfte man von einem solchen Läufer nicht erwarten.

Ich glaube, das hat was mit Motivation zu tun. So erkläre ich mir auch das Ergebnis der Bayern vom Wochenende. Nachdem sie ein halbes Jahr lang ausschließlich als Sieger vom Platz gingen, nun ein Unentschieden gegen Hoffenheim. Welch eine Schmach! Mit einer B-Mannschaft, die allerdings in dieser Konstellation auch Meister geworden wäre. Nur später.

Für Verwirrung sorgte bei mir die Analyse Pep Guardiolas. Sie, also Bayern, hätten keine Kontrolle gehabt, und wenn das passiere, dann seien (Zitat!) „die anderen 17 Mannschaften besser als wir“.

Äääh... was bitte?! Unter bestimmten Voraussetzungen sind Mannschaften wie Braunschweig, Hamburg oder Stuttgart besser als Bayern München? Ich habe diese verblüffende Äußerung des spanischen Meistertrainers über einen längeren Zeitraum dialektisch durchdrungen und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Entweder handelt es sich da um einen schwerwiegenden Übersetzungsfehler. Oder noch um leichten Restalkohol der Meisterfeierlichkeiten.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Foto: dpa

Kommen wir zum Positiven: Die zweitschlechteste Mannschaft der Rückrunde wird nicht absteigen. Das ist doch schon mal was! Dafür war sie in der Hinrunde zu gut. Es wäre trotzdem schön, wenn die Kicker von Hertha BSC mal wieder ein Pünktchen holen könnten. Damit die positiven Eindrücke nicht ganz verblassen.

Die schlechteste Mannschaft der Rückrunde ist allerdings Stuttgart. Hätte man auch nicht unbedingt erwartet. In den letzten 13 Spielen nur ein Sieg. Chapeau! Hier bewirbt sich eine Mannschaft nach Kräften für eine berufliche Neuorientierung in Liga Zwei. Und Eintracht Braunschweig? Die wackeren Niedersachsen sind in der Schlussphase gegenüber allen anderen Abstiegskandidaten eindeutig im Vorteil. Vor allem psychologisch! Platz 18 macht ihnen überhaupt keine Angst. Sie kennen ja nichts anderes.

Trotzdem, ein bisschen merkwürdig ist es schon, oder? Dass wir Fußballbegeisterten alle Spannung einer Saison aus dem Abstiegskampf beziehen müssen. Das wird aber auf Jahre Realität im deutschen Fußball bleiben. Das wäre so, als würden sich die Zuschauer im Leichtathletikstadion ausschließlich auf das Ende des Feldes konzentrieren und rufen: „Guckt mal, wie schön die Überrundeten kämpfen!“

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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