Auslaufen mit Lüdecke : Bürgermeister in die Abwehr!

Kabarettist Frank Lüdecke kommentiert immer montags das Geschehen in der Fußball-Bundesliga. Diesmal darf er sich über seine Hertha freuen und empfiehlt dem HSV, sich etwas bei einem bulgarischen Zweitligisten abzuschauen.

Frank Lüdecke
So macht das keinen Spaß. HSV-Trainer Fink.
So macht das keinen Spaß. HSV-Trainer Fink.Foto: dpa

Was für ein Spieltag! Allein sieben Platzverweise! Und die Sonntagsspiele noch nicht mitgerechnet! Mein Highlight: Salihovic (früher Hertha Zehlendorf, jetzt Hoffenheim). Spektakulär. Erst verwandelt er einen Foulelfmeter, um nur drei Sekunden später (!) einen Gegenspieler zu ohrfeigen und mit Rot vom Platz zu fliegen. Kompliment. Weniger gut: Mehmedi von Freiburg. In der letzten Spielminute Rot wegen Beleidigung! Hier sind auch mal die Trainer gefordert. Man zeigt einem Linienrichter nicht den Vogel. Jedenfalls nicht in der 90. Minute, wenn man den Platz sowieso verlassen muss. Auch ohne Beleidigung.

Christian Streich ist klasse - aber in eine WG würde ich nicht mit ihm ziehen

Das hinreißendste Spiel also ohne Frage in Sinsheim, Hoffenheim gegen Freiburg: sechs Tore! Vier gelbe Karten, drei rote, und Trainer Streich muss auf die Tribüne. Was will man mehr? Wenn Christian Streich am Spielfeldrand gestikuliert, hat man den Eindruck, seine Arme gehörten nicht zu seinem Körper. Streich ist ein klasse Trainer. Aber in eine WG würde ich nicht mit ihm ziehen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Zeichnung: Tsp

Und Hertha ist Fünfter! Bester Saisonauftakt aller Zeiten! Beste Tordifferenz! Zweitbester Sturm! Und seit 20 Heimspielen ungeschlagen! So viele positive Nachrichten, das müssen auch hartgesottene Fans erst mal verkraften.

Bislang war Hertha ja immer die Skandalnudel der Liga, und es schien diese Woche, als könne man an alte Traditionen wieder erfolgreich anknüpfen. Statt Tiki-Taka Bunga-Bunga. Aber Ehre, wem Ehre gebührt! Was der Hamburger SV derzeit an Außendarstellung bietet, ist schlichtweg unübertroffen. Da merkt man sofort, die sind 50 Jahre dabei, es reicht ihnen.

Beim HSV läuft alles falsch - sagt selbst HSV-Investor Kühne

HSV-Investor Kühne hat die Lage mal analysiert und das Ergebnis via Presse bekannt gegeben. Er weiß exakt, was falsch läuft. Und zwar – alles. Trainer („Enttäuschend“!), Sportchef („Drittklassig“!), Aufsichtsrat („Zurücktreten“!). Und Herr Kühne hat einen Plan, der seinem Namen alle Ehre macht. Er möchte Felix Magath zurückholen. Das Problem: Magath arbeitet nur allein. Wenn er kommt, ist er Trainer, Manager und Verwaltungsrat in einem. Er reißt auch die Karten ab im Stadion. Der vertraut niemandem.

Es muss aber schnell gehen, bevor das Transferfenster schließt. Import/Export Magath ist es nämlich gewohnt, an jeder Wirkungsstätte solange neue Spieler zu verpflichten, bis sie auf der Geschäftsstelle den Überblick verlieren. Dann lässt er die Neuerwerbungen tagelang schwere Medizinbälle irgendwelche Hügel hoch schleppen. Wer durchhält, spielt.

Ich bin zwar nur ein kleiner Zeilenschinder, aber einen Vorschlag hätte ich denn auch zu machen: Vielleicht könnte es der HSV dem bulgarischen Zweitligisten FC Vitosha Bistritsa gleichtun. Obskuren Medienberichten zufolge haben die diese Woche den ehemaligen Ministerpräsidenten Borissow verpflichtet, als Angreifer. Der Mann ist 54. Vielleicht wäre ja Bürgermeister Olaf Scholz was für den HSV? Für die anfällige Verteidigung (neun Gegentore!), mit seiner ruhigen, abgeklärten Art? Wäre gut, weil Westermann ist ja so hippelig. Scholz ist inzwischen 55, vielleicht geht noch was. HSV-Trainer Fink hat indes auf der Pressekonferenz das 0:1 gegen Hertha als „Fortschritt“ bewertet. Und den Satz gesagt: „Ich denke, der HSV ist ein toller Verein.“ Ich denke, da ist was dran.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben