Auslaufen mit Lüdecke : Die Saison ist uns was schuldig!

Nach dem Sieg der Bayern im Topspiel beim BVB macht sich unser Kolumnist Frank Lüdecke so seine Gedanken. Ist die Bundesliga womöglich ein Fall für das Bundeskartellamt?

Frank Lüdecke
Immer jubeln die Bayern. Unser Kolumnist findet das ziemlich langweilig.
Immer jubeln die Bayern. Unser Kolumnist findet das ziemlich langweilig.Foto: AFP

Das war er also. Der absolute Knaller dieser Saison! Dortmund gegen Bayern! Der Zweite gegen den Ersten. „El Clasico“, naja. Und? Die Bayern siegen denkbar knapp mit 3:0. Auswärts, versteht sich. Der Höhepunkt des Spiels: dass Götze nicht gejubelt hat, bei dem Tor gegen seine alten Kollegen. Jetzt schämen sie sich schon in München, wenn sie Tore schießen. Demnächst verschicken sie nachträglich Entschuldigungsschreiben: Sorry, dass wir so gut sind. Aber toll, dass ihr mitgespielt habt. Das kann doch nicht der Sinn des Fußballs sein?!

Und wie soll das eigentlich weiter gehen? Nächste Saison? Wenn Trainer Klopp sagt, ihm sei die Höhe der Niederlage gegen München egal. Und das 0:5 spiegele den Spielverlauf auch nicht korrekt wider. Und alle denken: Stimmt. 0:7 wäre korrekt gewesen. Und die Beobachter raunen: Aber tolle Einstellung! Von Lewandowski und Reus. Dass sie bei ihren Toren gegen Dortmund nicht gejubelt haben. Vielleicht täusche ich mich, aber irgendwas gerät hier neben die Spur.

Vielleicht ist die Bundesliga ja bald ein Fall für das Bundeskartellamt. Es geht ja auch um Arbeitsplätze! Fußball ist längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Was sollen denn die Journalisten schreiben? Wenn jede Woche das Gleiche passiert? Was ist mit den Buchmachern? Den Hoteliers? Den Imbissbudenbesitzern? Wenn die Fans vor lauter Langeweile die Lust verlieren? Hier geht doch ein ganzer Wirtschaftszweig vor die Hunde!

Dortmund gegen Bayern in Bildern
"Sorry, Jungs!" Mario Götzes Reaktion nach dem wichtigen 1:0-Führungstor gegen seinen alten Verein.Weitere Bilder anzeigen
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23.11.2013 21:41"Sorry, Jungs!" Mario Götzes Reaktion nach dem wichtigen 1:0-Führungstor gegen seinen alten Verein.

Der Sportphilosoph Felix Magath hat ja bereits letzte Woche angeregt, die Bayern aus der Bundesliga auszuschließen, weil sie zu dominant sind. Sie sollten in einer Europa-Liga spielen, gegen ihresgleichen. Vor einer Woche fand ich den Vorschlag noch abstrus. Wissen sie, es muss doch irgendetwas geben, wo man als begeisterungsfähiger Zuschauer sagen kann: Huuuuiii! Das ist aber eine Überraschung! Aber welches Ereignis dieses Spieltages gibt uns dazu Anlass? Hertha spielte wieder einmal gegen eine Topmannschaft. Kämpfte wieder mal vorbildlich. Hatte wieder mal mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Flanken, mehr Ecken. Das Übliche eben. Und wo blieben die Punkte? Wieder mal? Braunschweig hatte sich nach aufopferungsvollen Wochen endlich vom letzten Tabellenplatz lösen können. Und wo stehen die wackeren Niedersachsen? Nach ihrer Niederlage gegen Freiburg?

Es ist alles so, wie man es erwarten konnte.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Zeichnung: Tsp

Was soll nun dieses ganze Lamentieren? Ich werde es Ihnen sagen.

Ich stelle hiermit eine Forderung auf. Ich bin der Ansicht, dass uns diese Saison noch etwas schuldig ist. Etwas Großes, Unvorhersehbares. Etwas, das uns wieder beweist: Ja, so ist Fußball! Du kannst dir eben nie sicher sein. Ich gebe dieser Saison noch eine Chance. Und zwar am nächsten Wochenende. Da hat Bayern München ein Heimspiel. Gegen Eintracht Braunschweig.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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