Auslaufen mit Lüdecke : Hannover 96: Preis und Leistung stimmen

Absteiger Hannover 96 muss in Schutz genommen werden. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei den Niedersachsen nicht so weit auseinander. Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Hannover stimmt eher als in Wolfsburg oder bei Schalke 04.

Frank Lüdecke
Auch keine teure Lösung. Nachwuchstrainer Daniel Stendel übernimmt in Hannover für den Rest der Saison.
Auch keine teure Lösung. Nachwuchstrainer Daniel Stendel übernimmt in Hannover für den Rest der Saison.Foto: dpa/Stratenschulte

Der Trainer Thomas Schaaf war bei Hannover 96 nun wirklich nicht zu beneiden. Neben die sportlichen Kalamitäten gesellten sich auch rhetorische Engpässe. Nach der 0:3-Niederlage gegen Hamburg analysierte er: „Mit jeder Partie, die wir verlieren, wird die Hoffnung weniger.“ Okay. Für sich genommen, mag der Satz stimmen. Wenn man aber berücksichtigt, dass Hannover unter der Leitung des Trainers von elf Spielen zehn verloren hat, fragt man sich allerdings schon: Welche Hoffnung hat er da gemeint? Wenn mein Auto an zehn aufeinanderfolgenden Tagen nicht anspringt, kann ich mich dann noch der Hoffnung hingeben, dass es vielleicht am elften Tag klappen könnte?

Der Wagen ist nicht verkehrstüchtig, sollte man annehmen. Und Hannover 96 abgestiegen. Die Frage ist hier eher, wer die Mannschaft nächstes Jahr in der Zweiten Liga repariert. Thomas Schaaf wird es jedenfalls nicht sein, er wurde am Sonntag beurlaubt. Das ist angesichts der bisherigen Erfolgsquote für alle Beteiligten wohl auch eine richtig kluge Entscheidung.

Aber auch bei anderen Teams herrscht Reparaturbedarf. Beim VfL Wolfsburg etwa. Der Mutterkonzern VW hat viel Geld in den Klub gepumpt, bekommt im Moment aber nur heiße Luft zurück. Schade, aber auch verblüffend. Denn der Werksklub passt sich dem Konzern offensichtlich mimetisch an. Auch bei den Fußballern stimmt was nicht mit den gemessenen Werten. Knapp 100 Millionen Euro verschlingt der Kader an Gehältern, aber es reicht nur für Platz acht. Eine Position vor Ingolstadt, einem Aufsteiger. Experten nehmen ja an, dass der Mutterkonzern demnächst in Amerika ein paar offene Rechnungen zu bezahlen hat. Danach wird sich wohl auch die Fußballabteilung einer kleinen finanziellen Inspektion unterziehen müssen. Und unter Umständen wird es dann dem einen oder anderen Profi ein wenig wehtun, wenn er 75.000 Euro in einem Berliner Taxi liegen lässt.

Ein teurer Kader kann bemerkenswert schlecht spielen - Schalke beweist es

Eine andere Mannschaft, die gerade mit Nachdruck unter Beweis stellt, dass ein teurer Kader auch bemerkenswert schlecht spielen kann, ist Schalke 04. Nach der 0:3-Niederlage gegen Aufsteiger Ingolstadt mahnte Trainer Breitenreiter sein Team, es müsse jetzt aber besser werden. Unbedingt! Finde ich auch. In den nächsten Spielen warten übrigens Dortmund, Bayern und Leverkusen …

Absteiger Hannover 96 möchte ich aber dennoch ein wenig in Schutz nehmen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei den Niedersachsen eigentlich gar nicht so weit auseinander. Denn man muss ihnen zugutehalten, dass sie eine ziemlich schlechte Mannschaft haben. Und das ist etwas, bei dem sie Wolfsburg und Schalke voraus sind: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Hannover zumindest nachvollziehbar.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier eigentlich jeden Montag über die Fußball-Bundesliga - diesmal ist es der Dienstag geworden. Schuld daran ist allerdings nicht der Autor, sondern die Redaktion.

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