Auslaufen mit Lüdecke : Mit dem Polo in der Formel 1

Die Fußball-Bundesliga... langweilig? Niemals! Frank Lüdecke ist noch immer ganz verzückt vom vergangenen Spieltag. Angetan hat es ihm dabei vor allem Braunschweigs Trainer Lieberknecht mit seiner untypisch positiven Einstellung.

Frank Lüdecke
Braunschweig in der Bundesliga, das ist ein bisschen so, als würde man mit einem VW Polo in der Formel 1 mitfahren.
Braunschweig in der Bundesliga, das ist ein bisschen so, als würde man mit einem VW Polo in der Formel 1 mitfahren.Foto: Imago

Ich gebe offen zu, bei manchen Spieltagen dieser Saison dachte ich – ooooch, was für langweilige Begegnungen. Aber was uns dieses Wochenende an Ereignissen geboten wurde, dafür benötigte die Liga bislang eine ganze Hinrunde. Beginnen wir mit Hertha-Stürmer Sandro Wagner. Was für ein filmreifer Auftritt! Bislang kaum Einsätze und ohne Tor in dieser Saison. Dann wird er kurz vor Schluss eingewechselt. Nun prophezeite schon Andy Warhol, dass jeder Mensch in Zukunft für 15 Minuten weltberühmt sein würde. Da kannte er aber Sandro Wagner nicht. Der brauchte nur zehn. Erst schießt er den Siegtreffer. Dann erhält er die Gelbe Karte, um anschließend auch noch vom Platz zu fliegen. Bravo! Mehr ist in so kurzer Zeit kaum zu erreichen.

Aber auch Herthas Gegner Stuttgart sorgt für Furore. Schon die siebte Niederlage in Folge. Auch hier: Gratulation! Eine solche Serie haben die Schwaben zuletzt vor 26 Jahren hingelegt. Verdienter Lohn ist Position 15. Und da ist durchaus noch Platz nach unten. Der sympathische Trainer Thomas Schneider spürt aber im Verein „absolute Rückendeckung“. Das ist schön. Sehr schön sogar. Und immer wieder zu beobachten. Dass Trainer in schwierigen Situationen von Vereinsseite absoluten rhetorischen Beistand erhalten, bevor sie dann eine Woche später mit Respekt und absoluter Rückendeckung entlassen werden.

Nächste Woche bauen wir die Rückbank aus und tanken mal Super

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Zeichnung: Tsp

So weit ist es in Stuttgart noch nicht. Aber in Hamburg. Kaum ist der alte Trainer weg, schon spielen sie sich in einen Rausch. 3:0 gegen Dortmund! Wie ist so was möglich? Wenn die Hamburger auf dieses Ergebnis gewettet hätten, wären sie jetzt schuldenfrei. Erklären kann man das nicht. Oder doch? Vielleicht lag es tatsächlich am neuen Trainer Slomka, der eine geradezu bahnbrechende Idee hatte. Er analysierte: Wenn eine Abwehr Woche für Woche im Schnitt drei Tore kassiert und damit die schlechteste Verteidigung der gesamten Liga bildet – vielleicht stimmt da was nicht? Vielleicht ist diese Abwehr einfach nicht gut? Mit dieser verblüffenden Analyse in der Hinterhand stellte er kurzerhand zwei neue Innenverteidiger auf und siehe da – kein Tor kassiert, gegen Dortmund. Aber drei geschossen.

Das passt haargenau zu diesem Spieltag. Und vergessen wir Braunschweig nicht. Ich gebe zu, ich hege große Sympathien für Braunschweig. Braunschweig in der Bundesliga, das ist ein bisschen so, als würde man mit einem VW Polo in der Formel 1 mitfahren. Mir gefällt vor allem die Einstellung des Trainers Lieberknecht. Er ist immer so positiv. Nach jeder Niederlage. Dann sagt er so was wie: Mal sehen, nächste Woche bauen wir die Rückbank aus und tanken mal Super, vielleicht bringt das was. Bevor sie diesmal als Verlierer vom Platz gingen, lagen sie sogar in Führung, waren ein Spieler mehr auf dem Platz und bekamen zwei (!) Elfmeter (beide verschossen).

Lieberknecht war trotzdem zufrieden und will nächste Woche wieder angreifen. Das ist eine positive Einstellung, die nicht typisch ist für dieses Land. Und die wir doch so dringend brauchen. Im Osten, im Westen und sicher auch in Liga zwei.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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