Auslaufen mit Lüdecke : Von Motivation und Bewegung

Der zweite Spieltag ist geschafft. Bremen gelingt ein Ligarekord gegen die Bayern. Bei denen gibt es Stress mit Thomas Müller.

Frank Lüdecke
Die Bremer Spieler laufen zu viel, findet der Trainer.
Die Bremer Spieler laufen zu viel, findet der Trainer.Foto: AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

Der zweite Spieltag der Liga ist absolviert und in dieser Frühphase sind alle Beteiligten relativ entspannt. Die Trainer kennen ihre Mannschaften noch bestens aus den Trainingslagern, von gemeinsamen Grillabenden und Karaokewettbewerben. So konnte Bremens Trainer Alexander Nouri die Niederlage seines Teams gegen München exakt analysieren. Die Pässe seiner Mannschaft seien deshalb nicht angekommen, weil die Spieler so viel gelaufen sind. Das ist schade. Vielleicht sollten die Bremer Spieler demnächst besser stehen bleiben, damit ihre Zuspiele in den eigenen Reihen verbleiben.

In meiner Erinnerung allerdings muss beim Fußball das Spielgerät oft aus der Bewegung heraus befördert werden. Deswegen gibt es doch so viel Konditionstraining. Ich habe keine Ahnung, wie man dieses Dilemma in Bremen lösen wird. In der Tabelle jedenfalls sind sie schon mal stehen geblieben. Und zwar auf dem letzten Platz. Wettbewerbsübergreifend haben die Bremer jetzt 16 Spiele in Folge gegen den FC Bayern verloren! Mit einem Torverhältnis von 8:59! Kompliment, das ist ein neuer Ligarekord. Kann allerdings sein, dass in Bremen demnächst noch mehr Bewegung reinkommt.

Die Saison ist noch verdammt lang

Die Augsburger dagegen, so analysierte ihr Trainer Manuel Baum, seien in der ersten Halbzeit zwar „unterwegs“ gewesen, aber nicht mit „voller Überzeugung“. Das ist bedenklich. Wenn die Motivation schon am zweiten Spieltag nachlässt. Denn die Saison ist noch verdammt lang.

Wie man Motivationsprobleme beheben kann, zeigt das Beispiel des Hamburger Sport-Vereins. Nachdem der HSV im Pokal ausgeschieden war, gegen einen Drittligisten, der 80 Minuten (!) in Unterzahl spielte, wurden die Spieler von ihrem Sponsor Kühne als „Luschen“ bezeichnet. Das war wohl abwertend gemeint. Dazu muss man wissen, Herr Kühne zählt in der Fußballwelt nicht unbedingt zu den Feingeistern. Die rhetorische Bedachtheit ist eher nicht sein Metier. Aber eines muss man ihm lassen. Er scheint hier einen Ton gefunden zu haben, der bei den Spielern bestens ankommt. Seitdem gewannen die Hamburger ihre Begegnungen und stehen auf Platz drei. Wenn sie so weitermachen, wird es extrem schwierig, den obligatorisch angestrebten 16. Tabellenplatz zu erreichen.

Stress bei den Bayern

Bei Bayern München dagegen haben sie ein anderes Problem. Thomas Müller versteht den Trainer Ancelotti nicht. Vielleicht liegt es am Italienischen, keine Ahnung. Jedenfalls weiß Müller nicht, „welche Qualitäten der Trainer sehen will“. Das ist immer blöd, wenn man nicht weiß, was der Vorgesetzte von einem erwartet. Ich kenne Herrn Ancelotti leider nicht persönlich, aber ich vermute mal, Bewegung und Motivation werden zum Anforderungsprofil dazugehören.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar