Auslaufen mit Lüdecke : Wo bleibt die Trikotkamera?

Warum die beiden Tore von Robert Lewandowski gegen Mainz statistisch ziemlich bedenklich sind und weshalb eine Trikotkamera vonnöten ist, erklärt unser Kolumnist Frank Lüdecke.

Frank Lüdecke
Robert Lewandowski ist ziemlich treffsicher in diesen Tagen.
Robert Lewandowski ist ziemlich treffsicher in diesen Tagen.Foto: dpa

Statistisch lief es für einige Spieler am Wochenende nicht so toll. Für den Münchener Stürmer Lewandowski zum Beispiel. Hatte er letztes Wochenende noch fünf Tore erzielt, so waren es diesmal nur zwei. Das ist ein Rückgang von 60 Prozent! Statistisch ziemlich bedenklich, sportlich aber völlig okay. Lewandowski hat jetzt in 7 Spielen 10 Tore geschossen und damit mehr Treffer erzielt als 12 komplette Bundesligateams in dieser Saison.

Direkt nach dem ersten Treffer schob der Pole sein Trikot nach oben. Für den Schiedsrichter eine ganz knifflige Angelegenheit. Denn Spieler dürfen die Trikots während des Spiels nicht ausziehen. Dafür erhalten sie eine Verwarnung in Form einer gelben Karte. Auch wer sich des Trikots nicht entledigt, sondern es nur über den Kopf zieht, handelt regelwidrig: gelb! Der polnische Nationalspieler Lewandowski ist aber nicht nur ein toller Fußballer, er ist auch schlau wie ein Fuchs und kennt sich mit dem Regelwerk des Deutschen Fußballbunds bestens aus. So zog er sein Trikot zwar nach oben, aber nur bis zum Schulterblatt. Der Schiedsrichter war nicht zu beneiden. Sekundenschnell musste entscheiden, wie hoch war das Trikot nun tatsächlich nach oben gelangt? Schulterblatt? Kinn? Haaransatz?

Ist 100 eine politische Botschaft?

Und dann ging es erst richtig los! Denn Lewandowski hatte auf seinem Unterhemd eine Nachricht platziert, die jetzt sichtbar wurde. Sie lautete: „100“. Nun musste der Schiedsrichter erneut entscheiden. 100? Was ist das? Eine politische Botschaft? Denn politische Botschaften dürfen auf dem Fußballplatz nicht gezeigt werden. Also nehmen wir an, auf dem Unterhemd hätte gestanden: „Joseph Blatter ist ein korrupter Sack!“.  Oder: „VW betrügt bei den Abgaswerten!“. Das wäre in jedem Fall eine gelbe Karte. Selbst dann, wenn das Trikot nur bis zum Kinn gezogen wurde. Und sogar dann, wenn die getroffenen Aussagen der Wahrheit entsprechen, also Joseph Blatter wirklich ein korrupter Sack ist und VW bei den Abgaswerten betrügt – trotzdem gelb.

Weil die Aussagen politischer Natur sind. Die Aussage „100“ dagegen ist ein komplizierter Grenzfall. Wahrscheinlich bezog sich die Mitteilung auf die Anzahl der in der Bundesliga erzielten Treffer des Stürmers. Aber wer kann das mit Sicherheit sagen? Fragen Sie den ADAC. Der könnte monieren, ein polnischer Sportler fordert in Fußballstadien für deutsche Autobahnen ein generelles Tempolimit von 100 Km/h.

Weiß man´s? Stellen Sie sich vor, demnächst schießt Lewandowski sein 120. Bundesligator, schiebt sein Trikot hoch – und da steht plötzlich: „130“. Was dann?! Ich möchte kein Schiedsrichter sein. Deshalb fordere ich hiermit zur Unterstützung der Unparteiischen neben der Torkamera auch die Einführung einer Trikotkamera. Sicher ist sicher. Und was die Aussagen bezüglich Blatter angeht – da hab ich ne ziemlich klare Haltung. Gelb hin oder her.

 

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