Auslaufen mit Lüdecke : Abstiegskampf? Ich habe gelogen!

Nürnberg, Braunschweig, Hamburg, sie alle taumeln seit Wochen, nur klare Worte findet keiner. Warum das so ist? Unser Kolumnist hat sich mal wieder Gedanken gemacht zum Bundesliga-Wochenende.

Frank Lüdecke
Lief doch super! Hamburgs Sportchef Oliver Kreuzer befand, die Spieler hätten sich toll bewegt, und sogar gekämpft hätten sie.
Lief doch super! Hamburgs Sportchef Oliver Kreuzer befand, die Spieler hätten sich toll bewegt, und sogar gekämpft hätten sie.Foto: dpa

Ich würde so gerne mal wieder etwas Positives über Hertha schreiben. Ich weiß nur nicht was. Ich versuche es mal so: Die Berliner absolvierten dieses Wochenende ein Fußballspiel, in Bremen.

Nun zum Wesentlichen. Seit Wochen behelfen sich die Fußballexperten mit einem dialektischen Kniff, die etwas zäh gewordene Saison schönzureden. Sie sagen: Ja gut, die Meisterschaft ist entschieden. Aber der Abstiegskampf, der hat was! Das Erschütternde daran – einer dieser selbst ernannten Fußballexperten bin ich. Seit Wochen behaupte ich meinen Lesern gegenüber, dieser Abstiegskampf sei spannend. Heute schäme ich mich dafür und bekenne, ich habe gelogen. Ich tat dies wider besseres Wissen und um Zeilen zu schinden. So wie Robben Elfmeter. Die Wahrheit ist: Dieser Abstiegskampf ist weder spannend, noch handelt es sich im eigentlichen Sinne um einen Kampf.

Seit Wochen taumeln drei Mannschaften dem Abstieg entgegen. Braunschweig, Nürnberg und Hamburg. Seit Wochen verlieren sie Spiel um Spiel. Die Hamburger waren diesmal sogar mächtig stolz auf ihre 1:4-Niederlage gegen München. Sportchef Kreuzer befand, die Spieler hätten sich toll bewegt, und sogar gekämpft hätten sie. Schade, dass dieses Engagement so zeitversetzt kommt, also erst jetzt, wo die Saison praktisch vorbei ist.

Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht sagte nach der unglücklichen Niederlage in letzter Sekunde: Wir geben nicht auf! Der Kopf bleibt oben! Seit Wochen haben die Braunschweiger jetzt den Kopf oben, aber mittlerweile gelingt ihnen nicht mal mehr ein Tor. Wenn man ein Spiel gewinnen könnte, ohne ein Tor zu erzielen, würde ich sagen, da geht noch was.

Wenn sie nächstes Wochenende abgestiegen sind und Lieberknecht weitere Durchhalteparolen ausgibt, werden mitfühlende Sportinteressierte sagen, liebe Braunschweiger, es reicht leider nicht, den Kopf oben zu haben, er muss auch eingeschaltet sein. Dann wird ihnen der DFB noch mal die Abschlusstabelle zuschicken müssen. Dann werden die Braunschweiger noch 14 Tage engagiert weitertrainieren und plötzlich erhobenen Hauptes feststellen: Huppala! Wir sind ja abgestiegen! Aber dann wird es zu spät sein.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Foto: dpa

Ich muss ehrlich gestehen, am besten gefällt mir inzwischen die nüchterne Haltung der Nürnberger. Sie sagen: Gott, was spielen wir nur für eine Grütze zusammen?! Das Schöne daran: Diese Einschätzung deckt sich exakt mit der Realität.

Um es klar auszusprechen: Von den gezeigten Leistungen wäre für alle drei Mannschaften der Abstieg nicht unangemessen. Aber eine von den dreien darf nicht direkt aus der ersten Liga absteigen. Leider. Sie muss erst noch das Relegationsspiel gegen den Dritten aus Liga zwei verlieren. Danach dürfen wir uns dann auf neue Kandidaten freuen, die erhobenen Hauptes durch die Liga taumeln und sich über Spieler freuen, die bei einer prallen Niederlage zumindest Bewegungsdrang zeigten. Paderborn vielleicht?

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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