Auslaufen mit Lüdecke : Aktionen ohne Kontakt

Der FC Bayern München ist nach dem sechsten Bundesliga-Spieltag so gut wie Meister und konzentriert sich nun bereits auf absurde Bestmarken. Unser Kolumnist versteht dabei nur Bahnhof.

Frank Lüdecke
Endlich wieder Rekorde beim FC Bayern: Xabi Alonso (re.) hatte am Sonnabend 206 „Ballaktionen“.
Endlich wieder Rekorde beim FC Bayern: Xabi Alonso (re.) hatte am Sonnabend 206 „Ballaktionen“.Foto: Reuters

Der Kölner Trainer war hoch zufrieden. Nur 0:2 verloren! Gegen Bayern München. Eine Mannschaft, für die es nur darum ginge, ob sie im Februar oder im März Meister wird. Tja? Was soll man von dieser Aussage halten? Sie erinnert mich an Leute, die schlecht gelaunt bei einer Lotterie Lose kaufen, mit den Worten: Ach, ich gewinne sowieso nie!

Leider kann der einzige ernstzunehmende Konkurrent für den FC Bayern München, Borussia Dortmund, derzeit nicht mal mit Paderborn mithalten. Nach nur sechs Spieltagen bereits sieben Punkte Rückstand. Für die Experten steht fest: Die Meisterschaft ist abgehakt. Und was machen sie, die Experten? Sie suchen bereits nach Nebenschauplätzen, nach irgendwelchen neuen Teildisziplinen, wo die Bayern weitere Bestmarken aufstellen können. Und tatsächlich! Es gibt da wieder was.

Letztes Jahr war ja noch ständig vom „Ballbesitz“ die Rede: 80 Prozent! 90 Prozent! Seit in Spanien das Fußballsystem auf „Tiki-Taka“ umgestellt wurde, jubeln die Zuschauer ja nicht mehr nach Toren, sondern nach jedem Ballbesitz. An diesem Spieltag der Fußball-Bundesliga erfuhr man nun allerorten, der Ibero-Münchner Xabi Alonso hätte 206 „Ballaktionen“ gehabt. Das sei neuer Rekord! Ballaktionen? Hieß das nicht letzte Saison noch „Ballkontakte“? Dachte ich jedenfalls. Ich kenne nicht den genauen Unterschied zwischen einer „Aktion“ und einem „Kontakt“, zumindest nicht beim Fußball. Jedenfalls hatte Xabi 206 von diesen Dingern. Na, herzlichen Glückwunsch auch von dieser Stelle!

Ehepartner trennen sich über Facebook, andere twittern ihre Darmspiegelung

Der VfB Stuttgart hatte letzte Woche auch eine Aktion, aber ohne Kontakt. Manager Fredi Bobic durfte von seiner bevorstehenden Entlassung während des Frühstücks aus der Zeitung erfahren. Das ist immer etwas fragwürdig, wenn die Bekanntgabe eines Ereignisses vor dem Ereignis selbst stattfindet. Präsident Wahler, der Bobic drei Tage zuvor noch als „Mann unseres Vertrauens“ bezeichnet hatte, räumte später ein, ja, das sei „nicht optimal“ gelaufen. Ich kann die Notwendigkeit der Entlassung nicht beurteilen. Die Art und Weise schon. Sagen wir mal so: In den Köpfen der Stuttgarter Entscheidungsträger können nur wenige Aktionen stattgefunden haben. Andererseits liegt diese Vorgehensweise durchaus im gesellschaftlichen Trend. So trennen sich immer mehr Ehepartner über Facebook. Andere posten ein Selfie mit dem Seitensprung. Und wiederum andere twittern ihre Darmspiegelung.

Es geht zunehmend die Sicherheit verloren, was in die Öffentlichkeit gehört und was man vielleicht doch erst mal in einem kleineren Kreis mit den betreffenden Personen besprechen sollte. Aber so ist das in einer Zeit, in der kaum noch einer zwischen einem Kontakt und einer Aktion unterscheiden kann.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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