Auslaufen mit Lüdecke : Anleitung zur richtigen Haltung

3:0 hat Hertha BSC gegen den Hamburger SV gewonnen - bereits der dritte Heimsieg in Folge. Unser Kolumnist Frank Lüdecke findet das - obwohl selbst Hertha-Fan - fast schon unheimlich...

Frank Lüdecke
Herthas dritter Heimsieg in Folge - für unseren Kolumnisten Frank Lüdecke fast schon unheimlich...
Herthas dritter Heimsieg in Folge - für unseren Kolumnisten Frank Lüdecke fast schon unheimlich...Foto: dpa

Es kam, wie es kommen musste. Hertha hatte 90 Prozent Ballbesitz, aber keine echte Torchance. In der letzten Minute verirrten sich die Hamburger zum ersten Mal in den gegnerischen Strafraum. Torwart Kraft unterlief die Flanke und der ehemalige Hertha-Spieler Lasogga köpfte ins leere Berliner Tor. In der Pressekonferenz nannte Jos Luhukay knallhart die Schuldigen für diese Niederlage: Es waren der Platz, die zu kurzen Trainingszeiten, der Schweizer Nationaltrainer, die bevorstehende Zeitumstellung und die negative Dax-Entwicklung. Ich gebe offen zu, so etwas in der Art hatte ich erwartet.

Vor dem Spiel. Meine persönliche Grundhaltung als Anhänger von Hertha BSC ist ein selbst schützender Pessimismus. Ich rechne mit wenig. Und freue mich, wenn es dann doch mehr wird. Die letzten Jahre haben immer wieder bewiesen, dass das eine sehr clevere Haltung von mir ist.

Änis Ben-Hatira? Ja!

Und nun das. Hertha BSC hat das Spiel gewonnen. 3:0. Ein Heimspiel! Das dritte in Folge! Was ist denn da los? Das wird ja langsam unheimlich. Deswegen möchte ich mich hiermit aufrichtig bei Hertha BSC entschuldigen und auch bei Torwart Kraft, der immer in diesem hässlichen gelben Trikot auflaufen muss. Er hatte eine einzige, aber sehr schwierige Situation zu meistern, und er meisterte sie bravourös.

Nun aber ein Wort zu Änis Ben-Hatira. Eine kurze Erklärung, für jene, die sich nicht so für Fußball interessieren, aber trotzdem hier mitlesen: Ben-Hatira ist ein technisch extrem starker Spieler. Ein Dribbel-Virtuose. Er macht bisweilen die tollsten Sachen. Seine Übersteiger, Drehungen und Hackentricks verwirren Gegenspieler, Zuschauer und meistens sogar ihn selbst. Ich fand das immer ungerecht, dass diese spektakulären Aktionen oft mit Einwurf für den Gegner belohnt werden. Nur weil sie Ben-Hatira erst drei Meter hinter der Außenlinie zum Abschluss bringt. Diesmal aber erzielte derselbe Spieler zwei Tore auf eine derart brillante Weise, dass einem fast die Tränen kamen. Ich habe mir die Szenen mehrfach angesehen. Und ich habe auch noch mal auf die Rückennummer geachtet. Es war die 10! Es war wirklich Ben-Hatira!

Nur noch drei Punkte auf Platz 5!

Und nun sieht alles gar nicht mehr so schlimm aus. Nur noch drei Punkte auf Platz 5! Mit den Mannschaften hinter uns haben wir nichts mehr zu tun. Bremen hat nicht nur die meisten Tore, sondern auch schon einen neuen Trainer bekommen, Freiburg ist noch ohne Sieg, und Hamburg hat in 9 Spielen gerade mal drei (!) Tore geschossen – Kompliment! Das ist Rekord in 50 Jahren Bundesliga. Auch Dortmund ist schon vier Punkte hinter Hertha. Von neun Spielen sechs verloren! Liga-Höchstwert. Wird Dortmund der erste Zweitligist, der in einem Champions-League-Finale steht? Na schön, soll nicht unser Problem sein. Wir spielen am Dienstag im Pokal gegen Drittligist Bielefeld. Und am Sonntag gegen Aufsteiger Paderborn. Zwei absolut machbare Gegner. Die hauen wir weg! Ich bin da total optimistisch.

Ich kenn’ doch Hertha.

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