Auslaufen mit Lüdecke : Die Bundesliga als Jedermann-Veranstaltung

In der Bundesliga kann jeder gegen jeden gewinnen. Nur einer kann gegen niemanden verlieren: die Bayern. Unser Kolumnist findet das irgendwie langweilig.

Frank Lüdecke
Und am Ende jubeln die Bayern.
Und am Ende jubeln die Bayern.Foto: AFP

Die Fußball-Bundesliga feierte sich an diesem Wochenende. Was für ein Spieltag. So viele Überraschungen. Gladbach verliert. Wolfsburg verliert. Prima. Jeder kann hier jeden schlagen. Auch eine Mannschaft aus Berlin kann ein Spiel gewinnen. Sogar auswärts.

Ein ganz spezielles Gefühl, das Veteranen noch aus den 70er Jahren kennen. Dazu war allerdings ein Schuss nötig, der eigentlich eine ganz andere Richtung nehmen sollte, dann aber über Umwege irgendwie ins Tor fand. Oder nehmen wir den wackeren Aufsteiger Paderborn. Er konnte auch überraschen mit einem Unentschieden gegen Dortmund. Hier mussten allerdings Glück und Pech tatkräftig zur Seite stehen. Erst wurde ein korrekter Treffer der Dortmunder nicht gegeben und danach der beste Spieler (Marco Reus) krankenhausreif gefoult. So können also in dieser Liga durch unerklärliche Launen des Schicksals überraschende Ergebnisse zustande kommen.

Das gilt für 17 Mannschaften. Für eine allerdings nicht. Diese kann weder durch fehlendes Glück oder Verletzungspech verlieren. Da könnte das gesamte Personal der ersten Mannschaft im Lazarett liegen, dieses Team würde auch mit der zweiten Garnitur jeden Sieg davontragen. Seinen Gegnern wird sogar zu einer 0:4-Niederlage gratuliert.

Das Fußball-Fachorgan „Kicker“ erklärt nun seinen verblüfften Lesern, dass die Liga trotzdem nicht langweilig sei. Und stellt dann die ernst gemeinte Frage: „Definiert sich die Spannung einer Meisterschaft nur darüber, wer Meister wird?“ Also, das geht mir nun zu weit. Wirklich. Ich habe noch mal eine Nacht über dieses philosophische Problem geschlafen und bin jetzt zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen: Ja! Genau darüber definiert sich die Spannung. Deswegen heißt die Meisterschaft ja Meisterschaft. Weil es darum geht, wer Meister wird. Der tiefere Sinn einer Meisterschaft ist es ja gerade, den Meister zu ermitteln. So verstehe ich das jedenfalls. Nun soll uns aber weisgemacht werden: Hier wird eine Meisterschaft ausgerichtet, aber wer sie gewinnt, sei egal. Hauptsache, viele machen mit. Der eine mit Glück, der andere mit Pech. Dabei sein ist alles. Ich finde das einen tollen Gedanken.

Er passt aber besser zu einer Jedermann-Laufveranstaltung als zum Profifußball. Eine konkrete Lösung für dieses Problem habe ich auch nicht parat – ich arbeite noch daran –, aber Langeweile als Spannung umzudeuten, scheint mir der falsche Ansatz. Am nächsten Spieltag tritt übrigens die Berliner Mannschaft gegen eine gewisse bayerische an. Da frage ich mich jetzt schon: Wie viele Bälle müssen hier wohl abgefälscht werden, damit die Liga wieder spannender wird?

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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