Auslaufen mit Lüdecke : Die Bundesliga kommt viel zu früh

Ist die WM nicht gerade erst vorbei? Hätte der Ligastart nicht noch ein bisschen warten können? Unser Kolumnist Frank Lüdecke fühlt sich noch nicht bereit für die neue Saison.

Frank Lüdecke
Augen zu und durch: Nur noch 33 Spieltage.
Augen zu und durch: Nur noch 33 Spieltage.Foto: AFP

Um es vorweg zu nehmen: Der Saisonauftakt kommt zu früh. Eindeutig. Viel zu früh! Wir haben doch im Sommer jede Menge Fußball gesehen. Vier, fünf Stunden am Tag. Dazu die dussligen Interviews. Ich frage mich wirklich: Wo bleibt die Regenerationsphase der Zuschauer? Was haben wir Stunde um Stunde in durchgesessenen Sitzmöbelpolstern zugebracht! Teilweise ohne jede medizinische Betreuung! Was haben wir literweise hefehaltige Erfrischungsgetränke unseren geschundenen Körpern zugeführt! Wir haben eigens für den Anlass unsere Ernährung umgestellt, auf salzhaltige Knabberprodukte. So eine Weltmeisterschaft geht doch nicht spurlos am Zuschauer vorüber!

Und an den Spielern auch nicht. Der Königstransfer von Hertha BSC etwa, ein Schweizer namens Stocker, hat während der WM nur 45 Minuten gespielt. Nur eine Halbzeit! Die muss aber so anstrengend gewesen sein, dass er bis heute nicht richtig regenerieren konnte. Seine Fitnesswerte sind schlecht. Er darf nicht mal auf der Bank sitzen, sondern muss von der Tribüne aus zuschauen. Und wer führte nach dem Samstag die Torschützenliste an, mit zwei Treffern? Julian Schieber! Der neue Mittelstürmer von Hertha BSC, ein Spieler, der nie in Gefahr war, sich den Anstrengungen einer WM aussetzen zu müssen.

Bei Bayern München ist alles noch viel schlimmer. Da sind sämtliche Spieler verletzt. Die können bis jetzt noch nicht laufen. Deswegen treten sie nun mit 17-Jährigen an, um überhaupt elf Leute zusammenzubekommen. Das sind doch keine Zustände! Die Dortmunder sind mental noch so ausgelaugt, dass sie bereits nach neun Sekunden das erste Gegentor erhalten haben. Nein, so kann man keine Bundesligasaison eröffnen. Hier haben die Terminplaner der DFL eindeutig versagt.

Man hätte festlegen sollen: Okay Leute, besser geht es nicht. Wir sind Weltmeister. Lasst uns das in Ruhe genießen und dann treffen wir uns alle im neuen Jahr wieder und gucken mal, wann es wieder losgeht. Und wer wirklich auf Entzug ist, kann sich ja noch mal eine Wiederholung anschauen, in der Mediathek. So wäre es richtig gewesen. Und angemessen. Stattdessen soll man sich jetzt für ein 0:0 von Köln gegen Hamburg begeistern. Wie soll das gehen, wenn Deutschland eben noch Brasilien 7:1 geschlagen hat?

Hamburgs Trainer Slomka war auch noch sehr zufrieden mit einem 0:0 gegen Aufsteiger Köln, weil man ja letzte Saison 75 Gegentore bekommen habe. Na, das kann ja eine tolle Saison werden, für die Hamburger. Mit der Einstellung hätte Deutschland nicht mal die Vorrunde überstanden. Nein, die Saison braucht noch Zeit, viel, viel Zeit.

Der Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Bundesliga.

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