Auslaufen mit Lüdecke : Eine Frechheit von einem Bundesliga-Finale

Die Bundesliga-Saison 2013/14 ist vorbei. Wie ein Witz ohne Pointe oder ein Krimi ohne Auflösung - so beschreibt unser Kolumnist das Finale. Lediglich ein kleines Missgeschick mit der Meisterschale bot einen Überraschungsmoment.

Frank Lüdecke
Im letzten Saisonspiel kam der FC Bayern zu seinem 29. Sieg.
Im letzten Saisonspiel kam der FC Bayern zu seinem 29. Sieg.Foto: Imago

Tja, wie soll ich das jetzt sagen? Ich möchte wirklich nicht ausfallend werden. Oder die Contenance verlieren. Aber das soll das Finale gewesen sein? Das große Finale? Der kulminierende Höhepunkt nach einer langen Spielzeit? Ach herrje. Gelinde gesagt war es eine Unverschämtheit, was uns die Saison 2013/14 als Schlusspunkt anzubieten hatte. Wie ein Witz ohne Pointe. Oder ein Krimi ohne Auflösung. Es passierte ja rein gar nichts. Im Gegenteil. Alles, was man hatte erwarten dürfen – das alles trat auch ein.

Wo bleibt da das Überraschungsmoment? Die letzte finale Wendung? Nichts, nichts, nichts. Ehrlich, so kann man doch nicht aufhören?! Wenigstens ist Pep Guardiola die Meisterschale aus der Hand gerutscht. Was für ein Highlight! Na gut, Thomas Tuchel will vielleicht ein Sabbatical nehmen. Das war wenigstens eine kleine Überraschung. Dann könnte der Mainzer Trainer abschalten, einfach mal aufhören mit Fußball. Also im Grunde das, was die Abwehr des HSV bereits die ganze Saison praktiziert.

Der 34. Bundesliga-Spieltag in der Bildergalerie
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Es bleibt ein schaler Beigeschmack

Apropos. Geradezu grotesk war nun wirklich, was uns die drei Abstiegskämpfer anzubieten hatten. Braunschweig, Nürnberg und Hamburg. Natürlich verloren sie allesamt auch ihr letztes Spiel. Was auch sonst? Dabei hätte Braunschweig tatsächlich mit einem Sieg im letzten Spiel... Aber das wäre ja eine Überraschung gewesen. Und Überraschungen sind etwas, das im Drehbuch dieser Saison nicht vorgesehen war. Im sogenannten Abstiegskampf verloren Braunschweig und Hamburg ihre letzten fünf Spiele, Nürnberg sogar die letzten sieben. In den letzten fünf Spielen – als es um alles ging – erzielte Braunschweig gerade mal ein Tor.+

Ich denke, es ist für alle Beteiligten gut, dass die Sache jetzt vorüber ist. Es bleibt allerdings der schale Beigeschmack, dass diese Saison uns Fußballkonsumenten sträflich unterschätzt hat. Ein bisschen mehr Spektakel hätten wir schon vertragen können, oder?

Nach dem Abstieg ist vor der WM

So. Nach 34 Spieltagen hat es sich nun ausgelaufen. Ob es nach der Sommerpause mit dieser Glosse weitergeht? Da fragen Sie mich was. Mein Management steht in Verhandlungen mit der Vereinsführung des Tagesspiegels. Ich habe immer gesagt, das ist mein erster Ansprechpartner. Es gibt eine beiderseitige Option. Offen sind aber kniffelige rechtliche Fragen, Handgelder, Prämienregelungen und eine Stammplatzgarantie, das Übliche. Jeder weiß, ich war gerne hier. Tolles Umfeld, super Fans. Aber es wird mein letzter großer Vertrag, da muss alles stimmen. Scheitern die Verhandlungen, soll ein preiswerter Japaner geholt werden. Mehr kann ich im Moment nicht sagen.

Das heißt – doch. Für alle Braunschweiger und Nürnberger noch der kleine Trost: Nach dem Abstieg ist vor der WM. Gilt wohl aber auch für die Hamburger, sorry.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußballbundesliga. Und während der Weltmeisterschaft regelmäßig in unserem WM-Magazin „11 Freunde täglich“.

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