Auslaufen mit Lüdecke : Eine Portion Restzweifel

Frank Lüdecke freut sich über den ersten Erfolg von Hertha BSC in diesem Jahr. Allerdings versteht er die vielen Trainerwechsel nicht.

Frank Lüdecke
Der Neue. Pal Dardai absolvierte in Mainz sein erstes Spiel als Cheftrainer von Hertha BSC. Mit Erfolg. Foto: dpa
Der Neue. Pal Dardai absolvierte in Mainz sein erstes Spiel als Cheftrainer von Hertha BSC. Mit Erfolg.Foto: dpa

Als der Manager von Hertha BSC kürzlich orakelte: „2014 wird alles anders, nicht zuletzt durch den Jahreswechsel“, waren viele Journalisten verwirrt. Was sollte durch dieses Orakel geweissagt werden? Nun wissen wir es. Hertha BSC hat seinen Trainer entlassen, den bodenständig-autoritären Holländer. Die Insider wissen, warum. Zu wenig „Punte“.

Unser aktueller Trainer ist ein lustiger Ungar. Er ist der Rekordspieler von Hertha. Aber er hat keinen Trainerschein. Oder den falschen. Jedenfalls mussten wir noch einen anderen Trainer mit verpflichten. Wegen der Rechtslage, als Strohmann sozusagen. Den Trainer mit dem Trainerschein hatten wir früher schon mal entlassen, zusammen mit einem, der Hertha das „Bayern-Gen“ implantieren wollte. Ist aber schiefgegangen damals, der Eingriff.

Unser neuer Trainer hat gleich Aufsehen erregt. Nicht nur, dass er das erste Spiel gewonnen hat. Er wolle auch „arbeiten bis zum Tod“. Das klingt zunächst martialisch, ist aber gar nicht so ungewöhnlich. Viele Menschen müssen heute bis zum Tode arbeiten, angesichts sinkender Renten. Unser Manager ist sich aber sicher: Mit dem neuen Trainer werden wir Erfolg haben. Trotzdem sei es seine Pflicht, „sich den einen oder anderen Gedanken darüber hinaus zu machen“.

Herthas Manager auf der Suche nach Kontinuität

Auf jeden Fall. Sich Gedanken zu machen, kann nie falsch sein. Wie sagte schon Wolfgang Neuss, heut’ machste dir kein Abendbrot, heut’ machste dir Gedanken. Wenn ich unseren Manager recht verstehe, verbindet er mit der neuen ungarischen Personalie noch eine Portion Restzweifel und möchte sich deshalb eine kleine Option offenhalten. Mal sehen. Vielleicht gibt es ja nach dem Neustart demnächst noch einen Neu-Neustart? Dabei sehnt man sich bei Hertha nach nichts mehr als nach Kontinuität. In fünf Jahren präsentiert uns der Verein nun schon den zehnten Trainer und der elfte wird schon mal pro forma angekündigt. Das ist eine sehr dynamische Interpretation des Begriffs Kontinuität. Geht eher in Richtung „Kontinuität durch Wandel“ oder so. Aber wie sagte der Kulturphilosoph H. Kohl: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Eben. Wir sind jetzt so oft abgestiegen, da kommt es auf einen Trainer mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga. Zeichnung: Tsp
Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt bei uns jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.Zeichnung: Tsp

Am Ende jeder Ära standen Kommunikationsprobleme. Manchmal denke ich, vielleicht sollten wir – anstatt immer die Trainer zu entlassen – mal einen Gesprächstherapeuten einstellen. Oder ’ne Familienaufstellung machen oder so was. Voriges Jahr stieg ein Hedgefonds bei Hertha ein. Richtige Heuschrecken! Die schlimmsten, mit Sitz in New York. Ich war entsetzt. Jetzt geben sie Geld, dachte ich, aber irgendwann wollen sie mitreden. Inzwischen denke ich, vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn sie mal was sagen würden, die Heuschrecken.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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