Auslaufen mit Lüdecke : Falscher Fokus

Unser Kolumnist Frank Lüdecke ärgert sich über die viele Vereine in der Fußball-Bundesliga, die sich auf die falschen Dinge fokussieren - und über den FC Bayern München, der nicht aus eigener Kraft Deutscher Meister wurde.

Frank Lüdecke
Richtiger Fokus: Bayerns Juan Bernat erwischt den Ball sogar mit geschlossenen Augen. Foto: afp
Richtiger Fokus: Bayerns Juan Bernat erwischt den Ball sogar mit geschlossenen Augen.Foto: afp

Nach einem hart umkämpften 1:0 gegen eine internationale Spitzenmannschaft aus einer europäischen Metropole stand der FC Bayern München am Sonnabend immer noch nicht als Meister fest. Meine Güte! Immer noch nicht! Es sind doch nur noch vier Spieltage! Na gut. Sie mussten sich eben wünschen, dass Wolfsburg nicht in Mönchengladbach gewinnt. Trotzdem hat das Ganze einen schalen Beigeschmack. Ich finde es ehrlich gesagt unwürdig, dass die Deutsche Meisterschaft für den FC Bayern München davon abhängig ist, ob der VfL Wolfsburg in Gladbach gewinnt oder nicht. So geht das doch nicht! Die Bayern aus München haben einen Spieler-Etat von 106 Trilliarden Euro und müssen einem Konkurrenten eine Niederlage wünschen, damit sie sich endlich wieder mit Weißbier überschütten dürfen? Wo leben wir denn?!

Die Münchener baten um Verständnis. Sie hätten demnächst im DFB-Pokal und der Champions-League schwere Spiele, der Fokus läge nicht mehr vollends auf der Bundesliga. Diese Arbeitsauffassung teilen die Bayern allerdings auch mit anderen Mannschaften. Auch Hannover 96 und der VfB Stuttgart scheinen nicht mehr so auf die Liga fokussiert zu sein. Welche Ziele sie stattdessen haben, weiß man aber auch nicht. Die Hannoveraner sind mittlerweile die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Seit 14 Spielen nicht mehr gewonnen! Kleine Fortschritte sind allerdings spürbar. Letzte Woche haben sie ihren Trainer entlassen. Durch diesen Schachzug konnte man dieses Wochenende unter einem neuen Trainer verlieren, der noch nicht so ausgebrannt ist. Immerhin. Allerdings sollten die Hannoveraner möglichst zügig mal wieder ein Spiel gewinnen. Sonst haben sie nächste Saison definitiv einen neuen Fokus.

Zusammenrücken beim FC Schalke 04

Beim FC Schalke 04 läuft es auch nicht so. Deswegen wollen sie jetzt für vier Tage ins Kloster gehen. Sie seien kein Team, heißt es. Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, soll es keine Einzelzimmer geben. Die Mannschaft solle endlich zusammenrücken. Das ist gut. Sehr gut sogar. Es ginge aber auch preiswerter. Die Schalker könnten sich zum Beispiel ein Gruppenticket kaufen und am Freitag Nachmittag mal mit der Deutschen Bahn von Berlin nach Hamburg fahren. Da könnten sie auch richtig eng zusammenrücken. Ob das den Zusammenhalt stärkt, kann ich aber nicht garantieren.

Zum Schluss mal was Positives. Der Hamburger SV hat gewonnen! Sie lesen richtig. 3:2, mit ihrem allerneuesten Trainer. Übungsleiter Bruno Labbadia war außer sich vor Freude. Damit kehrt erst einmal Ruhe ein in Hamburg. Insider berichteten, durch den Sieg soll der neue Chefcoach eine Jobgarantie erhalten haben. Bis zum nächsten Wochenende. Dann soll der Fokus neu eingestellt werden.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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