Auslaufen mit Lüdecke : "Football Leaks": Weniger arbeiten, mehr verdienen

Nicht erst seit den "Football Leaks" findet unser Kolumnist: In Geschäftsfragen können wir uns einiges beim Fußball abschauen. Etwa Prämien fürs Nichtspucken oder für Teilzeitarbeit.

Frank Lüdecke
Foto: AFP

Aus einem Grund, den ich hier nicht näher ausführen möchte, werde ich heute nicht über die Spielergebnisse vom Sonnabend berichten. Ich könnte zwar behaupten, Hertha hätte 2:1 gegen Bremen gewonnen. Aber das wäre postfaktisch.

Schade eigentlich. Deshalb bleibe ich etwas allgemeiner. In den vergangenen Tagen – die Kollegen vom „Spiegel“ haben da einiges aufgedeckt – ist viel und sehr abschätzig über die finanziellen Machenschaften des Fußballs geredet worden. Die positiven Aspekte wollte niemand sehen.

Ein Beispiel. Eine Prämie von mehr als einer Million Euro sollte der Italiener Balotelli einst in Liverpool erhalten, wenn er in einer Saison nicht häufiger als dreimal vom Platz fliegt, keine Gegenspieler oder Zuschauer anspuckt und auch sonst niemanden verletzt. Wie ich Balotelli einschätze, musste die Prämie nicht ausgezahlt werden. Aber genau weiß ich es nicht. Nur – was ist eigentlich schlecht an dieser Regelung? Ich finde sie gut. Es sollten prinzipiell keine Mitmenschen angespuckt oder verletzt werden. Auch nicht bei der Arbeit. Solche Verhaltensweisen durch finanzielle Anreize zu fördern, ist sicherlich ein Weg in die richtige Richtung. Wenn wir den Katalog noch um die Tatbestände der Unfreundlichkeit, Respektlosigkeit oder der Missachtung erweitern, könnte er auch für das Berliner Dienstleistungsgewerbe zum Vorbild taugen. Wenn Sie das nächste Mal von einem Busfahrer angebrüllt werden, fragen sie ihn doch einfach mal, ob ihm die besonderen Vertragsregelungen des Fußballers Mario Balotelli bekannt seien.

Ich könnte mir auch eine Sonderregelung für den Berliner Flughafenchef vorstellen. Eine Prämie, die dann ausgezahlt wird, wenn die Eröffnung des Flughafens innerhalb eines Jahres nicht öfter als dreimal verschoben wird.

Einen anderen Reiz setzt der Verein Leverkusen bei seinem Stürmer Kießling. Dieser erhält 50 000 Euro Prämie, wenn er bei einem Sieg mindestens 45 Minuten gespielt hat. Super. Das ist quasi ein Lohnzuschlag bei halbierter Arbeitszeit. Warum nicht? Warum sollten nicht Halbtagskräfte eine Prämie dafür erhalten, dass sie nicht ganztags arbeiten? Zum Beispiel, weil dadurch Platz für andere Arbeitskräfte entsteht.

Oder so. Ich selbst bin mit dieser Forderung beim Tagesspiegel leider gescheitert. Diese Glosse besteht aus etwa 2600 Zeichen. Ich wollte durchsetzen, dass ich eine Extra-Prämie erhalte, wenn ich mindestens 1300 Zeichen abgebe. Das ist von der restriktiven Geschäftsführung des Tagesspiegels abgelehnt worden. Es ist oft so, dass Arbeitgeber sich in Lohnzurückhaltung üben. Und man selbst den Eindruck gewinnt, hier würde Lohn zurückgehalten.

Ich finde, man kann da vom Fußball einiges lernen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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