Auslaufen mit Lüdecke : Hertha BSC: Ein echter Männerverein

Frank Lüdecke widmet sich zum Saisonauftakt seinem Lieblingsklub Hertha BSC - und sieht dort seltsamerweise nur Männer, die gerne in den Krieg ziehen wollen.

Frank Lüdecke
Mit Fäustchen: Pal Dardai mag kernige Ansagen. Foto: Imago
Mit Fäustchen: Pal Dardai mag kernige Ansagen.Foto: Imago

Die neue Saison möchte ich mit einer echten Männerglosse beginnen. Ich widme sie meinem Lieblingsverein Hertha BSC, der nach Aussage seines Trainers Dardai in Augsburg einen „Männersieg erschwitzte“. Was das nun genau ist, ein Männersieg, weiß ich gar nicht, aber ein Sieg ist schon mal klasse. Vor allem, wenn man bedenkt, dass auch die erste Pokalrunde überstanden wurde. Das letzte Mal, dass den Berlinern ein solcher Coup gelang, muss im späten Mittelalter gewesen sein.

Und hier noch ein kleiner Gruß an meine kritische Sportredaktion. Die neuen Trikots sind gar nicht so hässlich, wie ihr immer schreibt. Im Gegenteil. Die Auswärts-Jerseys sind für mich sogar echte Männertrikots.

So.

Gut, man könnte jetzt sagen, Herthas Sieg war etwas glücklich, weil die Augsburger so oft ans Aluminium geschossen haben. Aber so sind nun mal die Regeln. Der Ball muss ins Tor, nicht an das Tor. Das sind echte Männerregeln, liebe Augsburger.

Pal Dardai jedenfalls hat sich für die neue Saison offenbar verdammt viel vorgenommen. Er scheut da keinen Aufwand. Um den Erfolg zu gewährleisten, befindet er sich selbst sogar in einem Mutationsprozess vom Trainer zum Feldherrn. So gab er im Sommer verschiedene Interviews, in denen er philosophierte, dass „große Kriege“ nur mit „Mentalität, Charakter und Laufbereitschaft“ zu gewinnen seien. Nun habe ich selbst einmal Geschichte studiert, lange her und auch nur an der FU, aber dass Kriege über „Laufbereitschaft“ gewonnen wurden? Ich bin nicht ganz sicher.

Jetzt wurde auch noch der Kapitän der ungarischen Nationalmannschaft, ein Mann namens Dzsudzsak, den der Hertha-Trainer sehr gerne verpflichten wollte, mit folgenden Worten zitiert: Dardai sei wie ein Anführer, „mit dem ich immer in den Krieg ziehen würde“.

Na denn. Da ist ja einiges los an der Hertha-Front.

Einen solchen Krieger wie Dzsudzsak hätten wir allerdings schon gebrauchen können. Ich möchte nicht rumnörgeln, aber ob Jens Hegeler die Lösung von Herthas Kreativproblemen im offensiven Mittelfeld sein wird, das ist eine Frage unter echten Männern.

Was bot der erste Spieltag sonst? Dass die Bayern schon wieder Erster sind, geschenkt bei ihrem Waffenarsenal. Erstaunlich dagegen, was die mit konventionellen Kampfmitteln ausgestatteten Darmstädter ausrichten konnten. Und Ingolstadt gewann adfafsogar einen Auswärtskrieg.

Das Schlusswort gebührt allerdings dem HSV. Die Hamburger sind im Pokal ausgeschieden und stehen in der Liga sofort wieder am Tabellenende. Bravo! Man darf nie vergessen, was echte Männer eben auch ausmacht: dass sie sich immer treu bleiben.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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