Auslaufen mit Lüdecke : Hertha, Dortmund und das Prinzip Liegestütze

In seiner Bundesliga-Kolumne freut sich Kabarettist Frank Lüdecke über den Erfolg von Hertha BSC gegen Borussia Dortmund - und weiß inzwischen auch, wie das passieren konnte.

Frank Lüdecke
Kaum zu glauben, aber wahr: Julian Schieber schießt Hertha zum Sieg gegen den BVB.
Kaum zu glauben, aber wahr: Julian Schieber schießt Hertha zum Sieg gegen den BVB.Foto: Reuters

Als Jos Luhukay kürzlich andeutete, er wolle sechs Punkte holen aus den letzten vier Spielen, hätte er für mich auch sagen können, dass in Niedersachsen Ufos landen. Gebe ich offen zu. Und nun das. Ein Sieg gegen Dortmund!

Man fragt sich: Wie ist so etwas möglich? Es war zu hören, der Holländer habe vergangene Woche das Training umgestellt. Er erkannte ein Problem im Spiel seiner Mannschaft. Es gelingt seinen Akteuren zu selten, den Ball zum eigenen Mitspieler zu passen. Er landet immer beim Gegner. Nun also ließ der Trainer Passübungen durchführen. Landete der Ball nicht dort, wo er eigentlich hingehört, mussten die Spieler zehn Liegestütze machen. Schon nach wenigen Tagen bekamen Schieber, Ben-Hatira und einige andere beängstigende Oberarme. Man kennt diese Methoden noch von Medizinball-Magath. Das war dieser Bootcamp-Trainer. Der hat Spieler prinzipiell nur danach aufgestellt, ob sie die kiloschwere Lederkugel sechs Stunden in die Höhe werfen können.

Nun also Liegestütze. Erstaunlich. Da nutzt der moderne Fußball Videoanalysen und Taktiksysteme, aber den Erfolg bringen archaische Fitnessübungen aus der Ära von Turnvater Jahn. Keine Ahnung, woran das liegen mag. Vielleicht hat sich Julian Schieber gedacht: Bevor ich wieder diese bekloppten Liegestütze machen muss, schieß ich den Ball lieber ins Tor. Und das war nicht einfach. Er musste erst Hummels und dann Kehl aussteigen lassen und auch noch überlegt halbhoch einschießen. Ein komplexe und technisch anspruchsvolle Aktion. Ich könnte auf der Stelle zumindest einen Glossenschreiber benennen, der dem Mittelstürmer einen solchen Bewegungsablauf nicht im Entferntesten zugetraut hätte (ich weiß aber, dass sich der Schreiberling für diese Fehleinschätzung schämt).

Hertha BSC gewinnt 1:0 gegen Borussia Dortmund
Oh, wie ist das schön... Hertha BSC feiert nach dem 1:0-Sieg gegen Borussia Dortmund vor den Fans der Ostkurve.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: dpa
13.12.2014 19:12Oh, wie ist das schön... Hertha BSC feiert nach dem 1:0-Sieg gegen Borussia Dortmund vor den Fans der Ostkurve.

Sind schon verdammt fiese Dinger, diese Liegestütze

Schade, für Dortmund kommen Liegestütze zu spät. Die Mannschaft wirkt so behäbig, da müsste Jürgen Klopp eher mal im Bericht der CIA gucken, was es sonst noch so an Übungen gibt. Aber gesamtgesellschaftlich gesehen scheint mir das „Prinzip Liegestütze“ noch nicht ausgereizt. Vielleicht sollte der neue Bürgermeister Müller Herrn Mehdorn und seine Mannen verdonnern, jeden Morgen 50 davon zu absolvieren. Und zwar direkt vor der Brandschutzanlage. Und dazu noch ein paar Medizinbälle auf die Rollbahn legen. Nur so zur Mahnung.

Tagesspiegel-Kolumnist Frank Lüdecke.
Tagesspiegel-Kolumnist Frank Lüdecke.Foto: Kleist-Heinrich

Zum Abschluss noch eine schlechte Nachricht. Bayern gerät langsam in eine Krise. Und das mit dem Kader! Ist schon ’ne kleine Enttäuschung. Was passiert ist? Weihnachten steht bereits vor der Tür, und die Münchner sind gerade mal erst Herbstmeister geworden.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben