Auslaufen mit Lüdecke : Hertha: Lernt euch erst mal kennen

Nach drei Spieltagen fordern bereits die ersten bei Hertha BSC eine Trainerentlassung. Unsinn, findet unser Kolumnist und versucht, das Positive zu sehen.

Frank Lüdecke
Das lässt sich nicht aussitzen. Jos Luhukay nach dem 1:3 gegen Mainz.
Das lässt sich nicht aussitzen. Jos Luhukay nach dem 1:3 gegen Mainz.Foto: dpa

Der Berliner ist schwer zufrieden zu stellen. „Kannste nich meckern“ ist der euphorische Jubelschrei, wenn es mal so richtig gut läuft. Kommt aber selten vor. Meistens läuft’s ja nicht so gut. Wie bei Hertha BSC gerade. Nach drei Spieltagen fordern bereits die ersten, den Trainer zu entlassen. Dazu den Manager und die halbe Mannschaft. Das Stadion soll abgerissen werden und der Verein sich freiwillig zurückziehen, in die Amateuroberliga.

Gut, im Heimspiel gegen Mainz – das Ergebnis ist mir leider entfallen – war die Mannschaft verunsichert. Doch, doch. Man konnte das spüren. Zum Beispiel als der Spieler Ndjeng einen Einwurf ins Aus warf. Wusste ich gar nicht, dass so etwas praktisch möglich ist.

Trainer Luhukay sagt selbst, die Mannschaft befände sich derzeit noch in einer „Findungsphase“. Deswegen stellt er auch jedes Mal eine komplett veränderte Abwehr auf. Mal spielt dieser. Mal spielt jener. Und wenn sie alle Kombinationen durch haben, kennt jeder jeden. Und dann geht’s aufwärts.

Leute, wir müssen jetzt das Positive sehen.

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Shinji Okazaki (r.) versaute den Berlinern mit zwei Toren den dritten Spieltag.Alle Bilder anzeigen
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13.09.2014 18:03Shinji Okazaki (r.) versaute den Berlinern mit zwei Toren den dritten Spieltag.

Das Feuer ist doch noch da! Man sieht das immer, wenn Keeper Kraft den Ball aus dem Tor holt. Dann ist er total entschlossen. Wenn er Flanken fangen soll, dann nicht so ... Aber, wenn er den Ball aus dem Tor holt – die Entschlossenheit selbst. Dann fuchtelt er wild mit den Armen, brüllt seine Vorderleute an und gibt mit schonungsloser Offenheit zu verstehen: Die andern sind schuld!

Ich habe da ein gutes Gefühl, was das Betriebsklima angeht.

Dafür stimmt irgendwas mit Trainer Luhukay nicht. Keine Ahnung, aber irgendwas ist da merkwürdig. Auf der Pressekonferenz zeigte er sich jedenfalls von einer ganz neuen Seite. Er war zickig. Und pampig. Aber richtig pampig. Er beschwerte sich, dass die Journalisten so blöde Fragen stellen. Hä? Der Mann ist seit Jahren im Geschäft. Er kennt das doch. Sportjournalisten stellen immer blöde Fragen. Außer natürlich die Sportjournalisten vom Tagesspiegel. Die sind total clever. (Anmerkung: Ich muss das schreiben. Die lesen mit.)

Schließlich sagte Luhukay, man könne noch nicht von einer Krise sprechen. Ich möchte ihm gerne glauben. Wirklich. Aber dann müsste er ein anderes Gesicht machen, wenn er so was sagt. Irgendwie freundlicher, optimistischer. Ich höre zwar die Worte „Wir haben keine Krise“. Aber was bei mir ankommt, ist: „Mit dieser Gurkentruppe verlieren wir auch nächste Woche gegen Freiburg.“ Deswegen kann ich nur raten: Ruhe bewahren! Und die Lage realistisch einschätzen. Wir stehen im Tabellenkeller und haben die schlechteste Abwehr. Jetzt geht es erst mal darum, dass sich die Spieler kennenlernen und das Einwurftraining intensiviert wird. Wenn das geschafft ist – dann sollten wir in ein paar Monaten auch mit Spitzenteams wie Paderborn mithalten können.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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