Auslaufen mit Lüdecke : Hertha muss basteln!

Unser Kolumnist Frank Lüdecke staunt nach dem Bundesliga-Wochenende, auf welche Weise sportliche Erfolge heute generiert werden können - und leitet direkt einen Verbesserungsvorschlag für Hertha BSC ab.

Frank Lüdecke
Freuen sich bereits auf die gemeinsame Bastelstunde nach dem Spiel: Hertha-Trainer Pal Dardai (r.) und BVB-Coach Jürgen Klopp.
Freuen sich bereits auf die gemeinsame Bastelstunde nach dem Spiel: Hertha-Trainer Pal Dardai (r.) und BVB-Coach Jürgen Klopp.Foto: dpa

In der letzten Woche trafen sich die Profis von Hertha BSC eines Nachmittags statt zum Trainieren zum Kaffeetrinken. Diese ungewöhnliche Maßnahme wurde damit begründet, dass die Spieler zu müde seien für körperliche Aktivitäten. Das war ausgezeichnet analysiert von Hertha-Trainer Pal Dardai, denn schon beim ersten Gegentor nach 10 Minuten war die Schläfrigkeit in Dortmund immer noch deutlich zu spüren. Irgendwie kam mir dieses Tor bekannt vor. Hatte man es nicht schon mehrfach in der Spätphase Luhukay kassiert?

Egal. Vielleicht hätten die Herthaner aber auch etwas ganz anderes machen sollen, anstatt Kaffee zu trinken. Zum Beispiel – Kuscheltiere basteln. Warum nicht? Seitdem die Frauen der HSV-Profis nämlich eine Stoffgiraffe mit ins Stadion bringen, haben die Hamburger nicht mehr verloren. Sogar Kacar trifft wieder, mit Giraffe. Unfassbar eigentlich, auf welche Weise sportliche Erfolge heute generiert werden.

Übrigens, stolz ist der Hertha-Trainer auf die jüngste Niederlagenserie nicht. Warum sollte er auch? Diese Haltung unterscheidet ihn nachdrücklich von seinem Münchener Star-Kollegen Pep Guardiola. Der FC Bayern München hat die letzten vier Pflichtspiele verloren und in den letzten sechs Stunden Spielzeit kein einziges Tor geschossen. Aber selbst nach der 0:1 Heimniederlage gegen Augsburg war Guardiola wieder „sehr stolz“ auf seine Mannschaft.

Herthinho und Ronny reichen nicht aus: Hertha benötigt noch ein Maskottchen

Nun sind die Spanier ja von Hause aus sehr stolz. Aber Guardiola ist da noch mal ein Sonderfall. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, aber da müssen doch irgendwelche Substanzen im Spiel sein. Am Kaffee alleine kann es nicht liegen. Es geht das Gerücht, Guardiola sei sogar so stolz auf seine Mannschaft, dass er für die nächste Saison einen Vorvertrag bei Manchester City unterschrieben haben soll, für 22 Millionen per annum. Schön, da wär ich allerdings auch stolz. Wie dem auch sei, ich fürchte, vielleicht hat Herthas Trainer Dardai mit der Entscheidung für eine kollektive Koffeinzufuhr aufs falsche Pferd gesetzt. Was heißt vielleicht? Ganz offensichtlich sogar! Hier muss gegengesteuert werden. Wir brauchen jetzt auch ein verdammtes Maskottchen. Dringend! Ein Nashorn oder einen Dinosaurier, irgendsowas. Herthinho und Ronny reichen einfach nicht aus!

Ich würde nur empfehlen, die Bastelarbeiten vielleicht außerhalb der offiziellen Trainingszeiten durchzuführen. Ich habe die letzten Spiele gesehen und irgendwie hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, Training ist auch echt wichtig. Mir schwebt da eine Kombination vor. Eine Mischung aus Training und kollektiver Bastelarbeit. Fangen wir lieber sofort damit an. Es sind ja auch nur noch zwei Spiele. Und es dürfte wohl jedem klar sein, was hier los ist, wenn wir beide Begegnungen verlieren sollten. Dann werden in der Hauptstadt aber sehr viele Kuscheltiere von Nöten sein.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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