• Auslaufen mit Lüdecke: Ist das Olympiastadion zu groß – oder Hertha zu klein?

Auslaufen mit Lüdecke : Ist das Olympiastadion zu groß – oder Hertha zu klein?

Was müsste man tun, damit Hertha auf längerfristige Sicht in der Tabelle oben bleibt? Unser Kolumnist weiß es. Vielleicht.

Frank Lüdecke
Volles Haus. Die Hertha-Fans haben in dieser Saison viel zu jubeln.
Volles Haus. Die Hertha-Fans haben in dieser Saison viel zu jubeln.Foto: Manfred Thomas

Hertha BSC hat schon wieder gewonnen, zu Hause! Diesmal gegen einen „Großen“, Dortmund! Mit einer wirklich tollen Leistung, muss man sagen. Es ist langsam nicht mehr auszuschließen, dass die Berliner nächste Saison internationale Spiele bestreiten dürfen. Zum Beispiel in der Europa League. Das wärs doch! Da warten Abenteuer! Ferne Orte, große Namen: Luhansk! Sassuolo! Qäbälä!

Aber ist ein solches Unterfangen überhaupt denkbar? In und mit dem alten Olympiastadion?

Seit Monaten wird in der Stadt ein neues Stadion diskutiert. Es soll ja kleiner ausfallen. Das hätte den Vorteil, dass es dadurch öfter ausverkauft wäre. Wäre es ganz, ganz klein, wär es immer ausverkauft. Da würde mir das Mommsenstadion einfallen. Aber es soll ja eine moderne Fußballarena sein. Wie in Ingolstadt. Oder Sinsheim. Also großstädtisch. Und trendy.

Was Hertha diese Saison zeigt, ist wirklich aller Ehren wert

Als alter „Westberliner“ bin ich natürlich voll retro, leider, und hänge an der alten großen Schüssel. Wenn das Stadion voll ist, dann herrscht da ja auch ein tolle Stimmung. Was im Sommer der Fall ist, wenn andere Mannschaft darin spielen. Okay, das Spielfeld ist ein bisschen weit weg und wenn es kalt wird, kann es auch recht zugig sein. Dafür scheint die Sonne manchmal sehr pittoresk durchs Marathontor.

Vielleicht könnte man den Gedanken auch umdrehen. Vielleicht ist das Stadion gar nicht unbedingt zu groß. Sondern Hertha ein bisschen zu klein. Es ist ja für viele Aussenstehende schwer erklärlich, warum eine europäische Metropole seit Jahrzehnten mit seinem größten Fußballklub in mediokrer Unbedeutsamkeit herumdümpelt. Sei es im Mittelfeld von Liga eins oder im Nirvana der Zweiten. An noch schlimmere Zeiten möchte ich gar nicht erinnern. Was Hertha diese Saison zeigt, ist wirklich aller Ehren wert und die gezeigten Leistungen verdienen Respekt. Was einen aber nachdenklich stimmt – dass man trotzdem immer irgendwie das Gefühl nicht ganz los wird, dieses Team spielt eigentlich über seine Verhältnisse. Und profitiert nebenbei von der verblüffenden Ungeschicktheit besserer Mannschaften. Wie ließe sich dieser Zustand verändern? Was läuft hier seit rund 40 Jahren schief? Und zwar regelmäßig. Das ist, glaube ich, die entscheidende Frage. Was müsste man tun, damit dieser Verein wirklich auf eine längerfristige Sicht dort spielt, wo wir Eingeborenen dieses Team eigentlich hin wünschen. Vielleicht erscheint ja demnächst eine Expertise, die uns alle aufhorchen lässt. Weil sie nachweisen kann, dass eine Fußballmannschaft automatisch besser spielt, wenn sich das Stadiondach elektrisch öffnen und schließen lässt.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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