Auslaufen mit LÜDECKE : Langweilige Bundesligasaison vorzeitig beenden?

Wenn vor Saisonende bereits alles entschieden ist, kann man den Wettkampf auch bleiben lassen - und stattdessen würfeln.

Frank Lüdecke
Frühe Entscheidung? Wahrscheinlich wird der FC Bayern den Titel holen.
Frühe Entscheidung? Wahrscheinlich wird der FC Bayern den Titel holen.Foto: dpa

Der Tabellenletzte Darmstadt hat ein Spiel gewonnen. Auswärts. Zum ersten Mal, na prima. Die Experten haben das mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Und attestieren einen tollen Kampfeswillen. Als Laie sehe ich die Sache anders. Die Darmstädter liegen elf Punkte hinter dem rettenden Ufer, es sind aber nur noch zwölf Punkte zu vergeben. Sie sind abgestiegen.

Deshalb können sie ohne jeden Druck ihre letzten Spiele absolvieren und halt auch mal was gewinnen. Das ist das Besondere an dieser Bundesligaspielzeit. Dass es in der Schlussphase weitestgehend egal ist, wie die Mannschaften spielen. Bayern München hat zum Beispiel zwei Punkte gegen Mainz abgeben müssen. Das ist völlig überraschend. Und genauso unerheblich. Die Bayern hätten auch verlieren können, es spielte keine Rolle.

Langeweile, wenn Leistung keine Rolle mehr spielt

Es ist nicht schön für den Betrachter, wenn im sportlichen Wettkampf die Leistung keine Rolle mehr spielt. Weil alles schon entschieden ist. Wenn einer im 10 000-Meter-Lauf immer eine halbe Runde vor dem Feld läuft, nötigt das einem Respekt ab. Ist trotzdem irgendwie langweilig.

Beim Schach gibt man in ausweglosen Situationen auf. Das ist sogar eine Frage des Stils. Oder beim Skat: Wenn einer ein unschlagbares Blatt hat, wirft er seine Karten mit einem Mal auf den Tisch und spielt sie nicht einzeln aus.

Daher mein Vorschlag: Lasst uns diese langweilige Saison vorzeitig beenden. Meister, Absteiger, Champions-League- Teilnehmer stehen bereits fest. Für die verbleibenden Entscheidungen um Platz fünf und sechs sowie Platz 16 wird unter den infrage kommenden Mannschaften gewürfelt. In einem großen „Bundesliga Würfel Contest“. Live übertragen vom ZDF, aus der Essener Grugahalle.

Würfeln statt ausspielen

Die Mannschaftsführer dürfen meterhohe Würfel auf einer Kunstrasenfläche schubsen. Florian Silbereisen moderiert, um die Sache etwas aufzupeppen. Zwischendurch singt Helene Fischer „Atemlos“. Nach einer Stunde wird das Licht ausgemacht und gut ist. Das wäre ein angemessener Abschluss für die Bundesligasaison 2016/17.

Natürlich hört auf mich kein Schwein. Sie werden es bis zum bitteren Ende ausspielen lassen. Und weil nichts passiert, müssen wir dann andere Fragen diskutieren. Zum Beispiel, ob ein Spieler namens Kruse, sollte er noch einmal vier Tore schießen, nicht doch in die Nationalmannschaft zurückgeholt werden müsste. Obwohl es die ganze Zeit hieß, dass einer, der 75 000 Euro im Taxi liegen lässt ist, eigentlich zu blöd ist, fürs Auswahlteam. Ich würde würfen lassen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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