Auslaufen mit Lüdecke : Mit der C-Elf in der B-Liga

War das wirklich nur eine B-Elf, mit der Bayern in Augsburg verlor? War die Aufstellung nicht eher noch weiter hinten im Alphabet zu verorten? Unser Kolumnist hat sich wieder Gedanken über das Bundesliga-Wochenende gemacht.

Frank Lüdecke
Pep Guardiola und seine Bank in Augsburg.
Pep Guardiola und seine Bank in Augsburg.Foto: dpa

Riesen-Aufregung in der Bundesliga! Bayern München hat seit dem Oktober 2012 zum ersten Mal wieder ein Spiel verloren! Gegen Augsburg! Allerdings mit einer B-Elf, sagen viele. Skandal!, heißt es nun. Wettbewerbsverzerrung! Die Bayern hätten sich geschont für das Spiel gegen Manchester United am Mittwoch, so der Vorwurf. Es geht hoch her.

Was mich an dieser Argumentation etwas irritiert – eigentlich ist doch die gesamte Saison bereits so etwas wie eine Wettbewerbsverzerrung. Jedenfalls von der Spitze der Tabelle aus gesehen, oder? Außerdem: Manche Bundesliga-Teams verfügen über gar keine A-Elf. Sie sind gezwungen, die gesamte Saison mit einem B-Team zu absolvieren. Und das, obwohl sie einen 1a-Trainer haben, wie Torsten Lieberknecht. Wiederum andere erzielen mit der A-Elf nur noch B-Ergebnisse. Weshalb gerade Sami Hyypiä entlassen wurde, obwohl der den A-Schein hat. Er wird ersetzt durch Sascha Lewandowski, der aber lediglich fünf Spiele bleiben soll, weil er nur eine B-Lösung darstellt.

Das ist verwirrrend.

Was nun Bayern München angeht, habe ich eine ganz andere Sicht der Dinge. Bayern spielte in Augsburg nicht mit einer B-Elf. Das ist schlichtweg falsch. Es war die C-Elf. Es spielten Weiser, Sallahi und … Moment … Höjbjerg. Äääh … wer?! Eben. B-Elf sind Shaquiri, Contento und Pizarro. Aber keine Sorge, nächstes Wochenende spielen sie wieder mit dem A-Team, da geht es gegen Dortmund. Und Jürgen Klopp und Matthias Sammer sind so richtig gute Freunde, da soll auf gar keinen Fall irgendwas verzerrt werden. Sollten die Bayern dann aber übernächste Woche mit einer D-Elf gegen Braunschweig verlieren – dann ist aber die Hölle los! Dann gibt’s richtig Ärger, fürchte ich. Da möchte ich gerne mal Interviews von den betroffenen Trainern der B-Teams im Abstiegskampf hören. Am liebsten eines mit Freiburgs Christian Streich. So direkt nach dem Spiel, an der Seitenlinie. Der wird dann derart mit seinen Armen fuchteln, dass sie ihn nur noch in der Totalen ins Bild kriegen. Gut, so weit ist es ja noch nicht.

Ich kann die Münchener jedenfalls verstehen. Champions League ist nicht die C-Liga, sondern die A-Klasse des Fußballs. Weshalb ein Spiel in der B-(undes)Liga gegen Augsburg auch nicht so wichtig ist. Jedenfalls nicht für Bayern München. Ich habe nur nicht verstanden, weshalb ausgerechnet Bastian Schweinsteiger, ein Spieler der Energieeffizienzklasse A+++ in der Schlussphase des Spiels einfach stehen geblieben ist. Wofür schont er sich? Er darf doch am Mittwoch gar nicht spielen, gegen Manchester.

Erfreulich, dass Bayerns Torhüter Manuel Neuer die ganze Sache philosophisch geradegerückt hat. Er erklärte unumwunden, worum es letztlich in dem Spiel gegen Augsburg ging: „Keiner ist verletzt. Alles andere ist egal.“ Stimmt, von Shaqiri mal abgesehen. Hier verweist der Nationaltorwart mit der geballten Lebenserfahrung eines 28-Jährigen auf das ABC des menschlichen Daseins. Ist nicht Gesundheit das Wichtigste im Leben?

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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