Auslaufen mit Lüdecke : Wenn Fußball sinnlos ist

Borussia Dortmund spielt derzeit „eine Art Fußball, die keinen Sinn macht“, sagt BVB-Trainer Jürgen Klopp. Unser Kolumnist Frank Lüdecke sieht das nicht ganz so eng - für ihn ist der Sinn des Fußballs aber auch nur Unterhaltung.

Frank Lüdecke
Sieht derzeit keinen Sinn im Spiel seiner Mannschaft: BVB-Coach Jürgen Klopp.
Sieht derzeit keinen Sinn im Spiel seiner Mannschaft: BVB-Coach Jürgen Klopp.Foto: afp

Die Überraschungsmannschaft der Saison ist – tätäääää: Borussia Dortmund! Was für eine rasante Entwicklung! Leider in die falsche Richtung. Eben noch Meisterschaftskandidat, jetzt schon mitten im Abstiegskampf! Der letzte Tabellenplatz ist nur noch drei Punkte entfernt. Die letzten drei Spiele verloren, vier Niederlagen aus den letzten fünf Begegnungen. Das ist mal ’ne echte Serie! Trainer Jürgen Klopp hat die Angelegenheit messerscharf analysiert. Seine Mannschaft spiele derzeit „eine Art Fußball, die keinen Sinn macht“. Das ist natürlich schade. Denn Sinn ist wichtig im Leben. Und im Sport natürlich auch. Für manche ist ja der Fußball selbst der Sinn des Lebens. Vielleicht auch für Jürgen Klopp, für mich aber nicht. Ich bin nicht so hardcore.

Für mich ist der Sinn des Fußballs Unterhaltung. Insofern möchte ich ihn auch ausdrücklich in Schutz nehmen, den Fußball, an diesem Spieltag. Viele tolle Spiele und überraschende Ergebnisse! Beim Spiel Bayern gegen Bremen zum Beispiel traf der Erste auf den Letzten. Die Veteranen mögen sich erinnern, aber das war mal ein echtes Spitzenspiel, früher! Vor 50 Jahren oder so. Bremen hatte viel Glück. Die Bayern strengten sich nicht richtig an und wurden für ihre Nachlässigkeit prompt bestraft: Sie gewannen nur 6:0. Der Bremer Fußball macht im Moment noch weniger Sinn als der Dortmunder, sie haben in München noch nicht mal aufs Tor geschossen. Da wird noch viel gesucht an der Weser. Sie suchen und suchen und es ist nicht ganz auszuschließen, dass sich Trainer Robin Dutt demnächst auch was anderes suchen muss.

Schön ist aber, dass im Moment so viele Tore fallen. 26 alleine am Sonnabend! Zwei davon bei der Begegnung Schalke gegen Hertha BSC. Leider auf der falschen Seite. Der Berliner Trainer Jos Luhukay sagte nach der Niederlage, Schalke hätte aus „wenig viel gemacht“. Tja? Was ist das jetzt? Ist das ein Kompliment? Oder eine Kritik? Ich glaube, es war als Kritik gemeint. Denn Berlins Außenverteidiger Nico Schulz analysierte das Spiel ganz ähnlich, allerdings in seinen eigenen Worten: Hertha hätte zwar verloren, aber sie hätten „das Heft vom Spiel in die Hand genommen“. Na immerhin.

Nur, auch wenn sie das Heft vom Spiel in der Hand hatten – man kann doch nicht das Fell des Bären verteilen, bevor der Käse zum Bahnhof gerollt ist. Im Gegenteil. Ich finde, aus wenig viel zu machen, ist immer noch besser, als aus etwas mehr gar nichts. Insofern zielt hier auch Luhukays Kritik ins Leere. Man möchte mit dem Existenzphilosophen H. Kohl ergänzen: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Und das ist bei Hertha BSC wenig, bislang. Die Mannschaft ist irgendwie noch kein Gesamtkunstwerk. Vorne ist es zwar bisweilen nett anzusehen, aber leider ungefährlich. Und hinten? Wo es entscheidend ist? Was kommt denn hinten raus? Kaum segelt ein hoher Ball in den eigenen Strafraum, schon fallen ihnen alle Hefte aus der Hand. Das macht keinen Sinn so.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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