Auslaufen mit Lüdecke : Zwischen Farce und Tragödie

Für unsere Kolumnisten Frank Lüdecke ist klar: Während der BVB eine große Tragödie aufführt, blamiert sich der HSV mit der nächsten Farce. Doch wie sind die Geschehnisse beim FC Bayern zu berurteilen?

Frank Lüdecke
Hauptdarsteller: Jürgen Klopp und der BVB führten exklusiv für Frank Lüdecke das "Drama der Woche" auf.
Hauptdarsteller: Jürgen Klopp und der BVB führten exklusiv für Frank Lüdecke das "Drama der Woche" auf.Foto: rtr

Es gibt dieses berühmte Zitat, nachdem sich alle großen sportgeschichtlichen Ereignisse immer zweimal ereignen. Einmal als große Tragödie. Und einmal als lumpige Farce. Wie gesagt, ein berühmtes Zitat, aber ich bin nicht ganz sicher, von wem es stammt. Entweder ist es von Karl Marx (Trier). Oder von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (München).

Ist auch egal. Die Tragödie ereignete sich fraglos letzte Woche in Dortmund. Kult-Trainer Jürgen Klopp erklärte seinen Rücktritt, etwas überraschend. Nach sieben denkwürdigen, spektakulären und erfolgreichen Jahren. Der Geschäftsführer, der Sportdirektor, gestandene Journalisten, ja der Trainer selbst konnten ihre Tränen kaum unterdrücken. Man versicherte sich gegenseitig der Freundschaft, des Respekts und der Dankbarkeit, großartig sei der Verein, niemand hätte einen Fehler gemacht und doch müsse man getrennte Wege gehen.

Himmel! Was für eine Tragödie! Die Farce ereignete sich – und wie sollte es anders sein? – in Hamburg. Hier verabschiedete sich Trainer Knäbel, der, so geht es schon mal los, eigentlich gar kein Trainer ist, sondern Sportdirektor. Seine Amtszeit war deutlich kürzer als die von Klopp, sie umfasste nämlich nur zwei Wochen. Unter Knäbels Ägide gab es genau zwei Spiele. Beide wurden verloren, 0:6 Tore. Bei seiner Demission flossen keine Tränen, ob die Begriffe „Respekt“ und „Dankbarkeit“ fielen, ist nicht überliefert. Und dass sie sich ganz dolle lieb hätten in Hamburg, den Eindruck gewann man eigentlich auch nicht. Stattdessen wurde mit Herrn Labbadia ein neuer Trainer eingestellt – der vierte der laufenden Saison – ein Mann, den sie in Hamburg schon mal vor fünf Jahren entlassen haben.

Aber Labbadia zeigte Größe. Sollte er den HSV vor dem Abstieg bewahren, was einer Wunderheilung gleichkäme, wolle er auf eine Zusatzgratifikation verzichten. Nein, er wolle es auch in diesem Fall mit seinem Jahresgehalt von anderthalb Millionen Euro bewenden lassen. Mit dieser bemerkenswerten Bescheidenheit verschaffte er den Hamburger Angelegenheiten auch ein Stück Würde.

Ich muss sagen, jetzt, gegen Ende, wird die Saison schon sehr unterhaltsam. Was viele übrigens noch gar nicht bemerkt haben: Bayern München ist immer noch nicht Meister. Und es ist schon nach Ostern! Was ist denn da los?!

Es soll am Mannschaftsarzt liegen. Das Problem ist wohl, dass Herr Müller-Wohlfahrt mit 72 Jahren gesünder ist als die Hälfte der Bayern-Profis. Jedenfalls soll Star-Trainer Guardiola da etwas angedeutet haben, in der Richtung. Vielleicht hat der Spanier aber auch nur gesagt: „Ichh bin stolz auf meine Mannchhaft. Chabe ichh großes Team.“ Das sagt er ja eigentlich immer. Aber Müller-Wohlfahrt hat definitiv etwas anderes verstanden und ist nun zurückgetreten. Was für ein Druck in der Liga! Jetzt treten schon die Ärzte zurück! Demnächst erwischt es die Busfahrer. Die Dimension dieses medizinischen Rücktritts ist allerdings noch unklar. Zwischen Tragödie und Farce wird er wohl eine Mittelstellung einnehmen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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