Auslosung in der Champions League : Juventus und Bayern: Alte, neue Bekannte

Juventus Turin, Bayerns Achtelfinalgegner in der Champions League, ist seit dem Endspiel in Berlin gehörig umgebaut worden.

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Schöne Erinnerungen. Im Frühling 2013 warfen Müllers Bayern Juventus im Viertelfinale raus – und gewannen später die Champions League. Foto: p-a/dpa/Leonhardt
Schöne Erinnerungen. Im Frühling 2013 warfen Müllers Bayern Juventus im Viertelfinale raus – und gewannen später die Champions...Foto: picture alliance / dpa

Juventus Turin also. Alter europäischer Fußball-Adel, durchaus satisfaktionsfähig im Sinne des FC Bayern, aber im Achtelfinale der Champions League hätte es auch gern ein bisschen kommoder zugehen können. „Ein schweres, aber sehr attraktives Los“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, aber so hätte er wahrscheinlich auch so ziemlich jeden anderen Gegner charakterisiert, mal abgesehen von der belgischen Unbekannten KAA Gent (über die sich jetzt der VfL Wolfsburg freut). In der gewohnt sprunghaften Diktion von Trainer Pep Guardiola liest sich die Rezeption des ersten Play-off-Gegners so: „Juve war das schwerste Los in diesem Topf. Neben Paris. Wenn man 50:50 sagen will, dann sagt 50:50. Ich weiß nicht!“

"Ein europäischer Klassiker"

Philipp Lahm, der stets eloquent formulierende und in höheren Sphären denkende Münchner Mannschaftskapitän, freut sich schon mal auf „einen europäischen Klassiker“. Na ja, es ist ein Klassiker, der noch Patina ansetzen muss. Gerade acht Spiele führt die Statistik zwischen beiden Klubs, das erste datiert vom Spätherbst 2004. Eine bescheidene Tradition angesichts der 22 Spiele, die seit 1976 zwischen den Bayern und Real Madrid zur Vorführung kamen. Gern erinnern sich die Münchner an das Viertelfinale aus dem Frühling 2013, sie schlugen Juventus zweimal 2:0 und ein paar Wochen später siegten sie im Finale von Wembley gegen Dortmund.

Diesem Erfolg hecheln die Bayern unter Guardiolas Anleitung nun schon im dritten Jahr hinterher. Juve war schon etwas weiter, ohne allerdings den letzten Schritt zu machen. Und doch hat die vergangene Saison Eindruck hinterlassen. „Oh, der letztjährige Finalist“, sprach Bayerns Innenverteidiger Jerome Boateng nach der Auslosung und verschwieg dabei taktvoll, dass diese Juve wenig zu tun hat mit der Mannschaft, die sich vor einem halben Jahr im Berliner Olympiastadion mit dem FC Barcelona duellierte. Die Juve vom Frühling 2015, das war die Intelligenz von Andrea Pirlo, die Intuition von Carlos Tévez, die Wucht von Arturo Vidal, der Speed von Paul Pogba. Ein offensives Rechteck, das in Europa keinen Vergleich scheuen musste. Pirlo dreht nun mit 36 Jahren eine Ehrenrunde in New York, Tévez hat gerade seine alte Liebe Boca Juniors zur Meisterschaft in Argentinien geführt, und von Vidals Dynamik profitiert jetzt der FC Bayern. Allein Pogba ist geblieben.

Vom Finalteam ist nicht mehr viel übrig

Entsprechend behäbig startete Juve in die Serie A und war über Wochen ein unerwarteter Stammgast in den südlichen Tabellenregionen. Sami Khedira war einer von denen, die das neue Mittelfeldspiel prägen sollten, aber der verletzungsgeplagte deutsche Nationalspieler kam nach seinem Wechsel aus Madrid erst spät auf Betriebstemperatur. Seit zwei Monaten ist Khedira fit, und mit ihm läuft es auch bei Juve wieder besser. Am Sonntag feierten sie im Spitzenspiel des 16. Spieltages ein 3:1 über den AC Florenz, es war der sechste Sieg in Serie, und plötzlich ist Platz eins bei nur noch sechs Punkten Rückstand auf Inter Mailand wieder in Sichtweite.

Großen Anteil an diesem Aufschwung trägt Paulo Dybala, ein 22 Jahre junges Milchgesicht, das sie daheim in Argentinien „La Joya“ nennen, das Juwel. Geschätzte 32 Millionen Euro hat Juventus in Dybala investiert. Er sollte der neue Tévez werden, aber dass er schon im ersten Jahr nach dem Wechsel aus Palermo so groß aufspielt, damit dürfte Trainer Massimiliano Allegri kaum gerechnet haben. Beim 3:1 über Florenz schoss Dybala am Sonntag sein achtes Ligator. Der frühere Münchner Mario Mandzukic kommt nur auf vier Tore. Da Dybala neben der argentinischen Staatsbürgerschaft auch die italienische besitzt, fragte der Nationaltrainer Antonio Conte neulich mal an, wie es denn mit einem Engagement bei der Europameisterschaft im kommenden Sommer in Frankreich aussehe. Dybala lehnte dankend ab – und debütierte ein paar Wochen später für Argentinien. Beim 0:0 gegen Ecuador wurde er in der zweiten Halbzeit für Carlos Tévez eingewechselt. Die alte Juve machte der neuen Platz.

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