Sport : Ausreden bis Ende September

Mathias Klappenbach

Es ist immer verdächtig beim FC Bayern, wenn die Erklärungen zahlreich sind und sich auch noch widersprechen. Man dürfe in dem neuen System nicht nur nach vorne stürmen, sagte Oliver Kahn nach der Niederlage. Philipp Lahm wünschte sich, dass er und seine Mannschaftskollegen wesentlich mehr nach vorne gespielt hätten. Und Trainer Felix Magath fand es nicht ungewöhnlich, dass man nach einem Champions-League-Spiel am Wochenende darauf in Bielefeld verliert. Ist es aber, in der vergangenen Saison haben die Münchner nach ihren acht Spielen in der Champions League siebenmal in der Liga gewonnen. Magaths Aussage darf auch nicht als Ausdruck der neuen, vor der Saison selbst verordneten Bescheidenheit beim Rekordmeister gewertet werden. Und schon gar nicht als ernst zu nehmender Erklärungsansatz. Sie ist eine Ausrede. Die Münchner wollten sich nach eigener Aussage bis Ende August „durchwursteln“, dann seien Kondition, Spielsystem und Rhythmus nach der kurzen WM-Pause gefunden. Doch es ist September, und es fehlt an allen dreien. Daran ist wohl kaum nur die WM schuld. Es sieht vielmehr so aus, als ob dem FC Bayern in der Neufindungsphase gerade ein Teil seiner selbstverständlichen Souveränität verloren geht. Noch vor kurzem wäre eine Niederlage in Bielefeld eine persönliche Beleidigung nicht nur für Uli Hoeneß gewesen. Jetzt sagt Oliver Kahn, dass es halt noch bis Ende September dauern wird, ehe das Team wirklich bereit für die großen Belastungen ist. Die kommen aber schon vorher. In der Champions League und in der Bundesliga.

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