Ausschreitungen in Leipzig : Sachsen kündigt härtere Gangart an

Sachsen will als Konsequenz aus den Krawallen beim Landespokalspiel härter gegen Fußball-Hooligans vorgehen. Der 1. FC Lok Leipzig hat sich gegen Vorwürfe, Sicherheitsstandards nicht eingehalten zu haben, gewehrt

Leipzig - Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) kündigte ein rigoroses Vorgehen an. Demnach sollen bei brisanten Spielen sachsenweit so genannte Sport-Staatsanwälte zum Einsatz kommen, die bei Bedarf an Ort und Stelle Haftbefehle beantragen können. Selbst Gesetzesänderungen schloss Buttolo nicht aus, Details nannte er nicht. "So kann und darf es nicht weitergehen", sagte der Minister in Dresden und gab zudem an, dass sich die Zahl der verletzten Polizisten von 36 auf 39 erhöht habe.

Unterdessen hat sich der 1. FC Lok Leipzig gegen Vorwürfe, Sicherheitsstandards nicht eingehalten zu haben, gewehrt. "Wie seit drei Jahren wurde auch vor diesem Spiel eine Sicherheitskonferenz, wie sie jeder Oberligaverein machen muss, durchgeführt. Alle Sicherheitsmaßnahmen, auch strenge Einlasskontrollen, wurden einvernehmlich mit Vertretern der Stadt Leipzig sowie der Polizei abgestimmt", teilte der Verein in einer schriftlichen Erklärung mit.

Buttolo: "Härtere Einlasskontrollen"

Es sei unverständlich, dass Innenminister Buttolo und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung dem Verein im Nachhinein ein Fehlverhalten anlasten wollten. "Nach dem Umfang des Kartenvorverkaufs wurde das Ordnerkontingent weiter aufgestockt. Insgesamt waren es 40 Prozent mehr als die Spielordnung des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) es fordert", heißt es.

"Ich erwarte von den Vereinen deutlich härtere Einlasskontrollen", sagte Buttolo und warf dem 1. FC Lok Versäumnisse vor. Er halte es für dringend geboten, dass die von den Vereinen eingesetzten Sicherheitsdienste durch den DFB oder den SFV zertifiziert werden. "Es muss den Verbänden klar gemacht werden, dass diese Zertifizierung künftig eine Voraussetzung sein muss, wenn es um die Vergabe von Lizenzen geht." In Wiederholungsfällen müsse es Spiele ohne Publikum geben. Eher sei die finanzielle Not der Vereine in Kauf zu nehmen.

Sorge um das Leben der Beamten

"Ein leeres Fußballstadion ist mir tausend Mal lieber als die Beerdigung eines Polizisten", betonte Buttolo. Beim Einsatz in Leipzig sei man besorgt um das Leib und Leben der Beamten gewesen. Der Leipziger Polizeichef Rolf Müller erinnerte an jenen Zivilbeamten, der von Hooligans gejagt wurde und dann einen Warnschuss abgab. Die Täter hätten ihn mit den Worten "Macht ihn platt. Du kommst nicht mehr heim" verfolgt.

Landespolizeipräsident Klaus Fleischmann hielt nichts davon, an diesem Wochenende als Reaktion auf die Vorfälle alle Spiele abzusetzen. Es wäre falsch, die Schwierigkeiten bei einem oder zwei Vereinen auf das ganze Land zu beziehen. "Gewalt bei Fußballspielen ist keine sächsische oder ostdeutsche Problematik, sie ist bundesweit." (tso/dpa)

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