Sport : Außen hart – und innen auch

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Erik Eggers über den Leverkusener Trainer Klaus Toppmöller

Was hat dieser Mann früher seine Männlichkeit zur Schau gestellt – rhetorisch gesehen. In seinen ersten Jahren als Trainer demonstrierte Klaus Toppmöller viel Potenz. Selbstbewusst legte er sich mit den großen Bayern an („Bye, bye, Bayern“). Dann machte er sich über den damaligen Bundestrainer lustig. Toppmöller hat einst gesagt, wenn er sich als Spieler mit dem technischen Vermögen eines Berti Vogts hätte begnügen müssen, dann hätte er in seiner Stürmerkarriere die „Fußballschuhe verbrannt“. Eine zärtliche Liebeserklärung war das, der Beginn einer ewigen Männerfreundschaft.

Nun hat sich Toppmöller, seitdem er ziemlich erfolgreich als Trainer bei Bayer Leverkusen arbeitet, zurückgehalten mit derart kruden Sprüchen. Zuletzt, als sich die Bayern aus der Champions League verabschiedeten, taten sie ihm sogar Leid. Und fast war man geneigt, ihn als „ExLautsprecher“ zu bezeichnen oder gar als „Bayern-Versteher“.

Inzwischen aber scheint es, als habe der Trainer aus der Pfalz erkannt, dass diese seltsame Metamorphose enorme Probleme in sich birgt. Als er am Wochenende nach der Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart eine härtere Gangart für seine Spieler ankündigte, haben ihm die örtlichen Medien das einfach nicht mehr abgenommen. Da rächte es sich, dass sich Toppmöller oft als Freund der Spieler gegeben hatte. Der „Kölner Stadtanzeiger“ etwa hielt alles für blanke Rhetorik und titelte: „Nach außen hart und nach innen ganz weich.“ Irgendwie klang alles so, als würde Toppmöller seine Profis nach schlechten Leistungen zur Strafe mit gaaanz vielen Wattebäuschen bewerfen.

Der Vorwurf, dass er zu einem Weichei mutiert sei, hat ihn dann doch nicht kalt gelassen. Jedenfalls unternimmt Toppmöller nun alles, um diesen schlimmen Vorwurf zu entkräften. Obwohl seine Mannschaft den VfB im Pokal 3:0 besiegt hatte, war er angefressen. „Die Kritik entbehrt jeder Grundlage, das ist Humbug“, sagte er. Außerdem finde er es ganz furchtbar, dass die bösen Journalisten „das einfach so hinmalen, nur weil es bei den Leuten gut ankommt“. Diese Dünnhäutigkeit Toppmöllers ist nicht nur ein Lehrstück über die Macht eines Images, sie zeigt auch, dass es im Fußball nach wie vor um längst ausgestorben geglaubte Dinge geht. Um „männliche Ehre“ zum Beispiel. Heißt ja auch immer noch Mannschaft.

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