Ausstellung : Der HSV unterm Hakenkreuz

Schon als Siebenjähriger sah Dirk Mansen sein erstes HSV-Spiel von den Stehplätzen im alten Volksparkstadion aus. Heute leitet er das HSV-Museum, in dem jetzt eine Sonderausstellung läuft, die viel Beachtung findet.

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Dirk Mansen, Projektleiter des HSV-Museums -Foto: dpa

Herr Mansen, im HSV-Museum läuft eine Sonderausstellung zum Thema "Die Raute unter dem Hakenkreuz - Der HSV im Nationalsozialismus". Wie wird diese Ausstellung vom Publikum angenommen?



Die Sonderausstellung läuft jetzt ungefähr dreieinhalb Monate, wir erwarten bald den 25.000. Besucher.

Und das Echo auf die Ausstellung?

Ist rundum positiv.

Gibt es denn keine Proteste von Fußballfans aus der politisch rechten Ecke?

Überhaupt nicht. Wir erfahren im Gegenteil sehr viel Unterstützung.

Wie ist überhaupt die Idee entstanden, diese Ausstellung im HSV-Museum zu machen?

Der Wunsch, dieses Thema aufzuarbeiten, war immer da, er wurde gerade auch von Mitgliedern an uns herangetragen.

Gibt es Gründe dafür?

Sicher. Ein wichtiger Grund ist der, dass wir damals zwei Idole mit sehr konträren Lebenswegen in unserer Mannschaft hatten. Darüber wollten unsere Mitglieder mehr erfahren.

Erzählen Sie uns die Geschichte der beiden Spieler.

Da war zum einen Tull Harder, Mittelstürmer bei uns von 1914 bis 1931. Der war NSDAP-Mitglied, bei der SS und später dann auch Kommandant in einem Außenlager des KZ Neuengamme. Mit Harder zusammen in einer Mannschaft spielte der norwegische Nationalspieler Asbjorn Halvorsen. Der wiederum gehörte in Norwegen während der deutschen Besatzung dem Sportwiderstand an. Er wurde im August 1942 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgeholt und ins KZ deportiert. Im Juni 1945 ist Halvorsen, schwer gezeichnet von fast drei Jahren im KZ, nach Norwegen zurückgekehrt.

Und wie sind Harder und Halvorsen vorher auf dem Platz miteinander ausgekommen?

Sie waren befreundet.

Wie viele Exponate haben Sie eigentlich für die Ausstellung zusammenbekommen?

2800 gibt es im gesamten Museum, davon etwa 100 in der Sonderausstellung.

Was ist dort zu sehen?

Zum Beispiel alte Mitgliedsanträge, in denen nachgefragt wird, ob man arischer Abstammung ist. Vom DFB haben wir den Tschammer-Pokal geliehen bekommen ...

… die Trophäe ist der Vorgänger des DFB-Pokals, benannt nach dem ehemaligen Reichssportführer Hans von Tschammer …

… genau. Es sind noch mehr als alte Trophäen zu sehen. Wobei aber manche Pokale nicht mehr gezeigt werden können, weil sie während des 2. Weltkrieges in der Metallspende gelandet sind.

Wie lange läuft die Sonderausstellung denn noch?

Bis August nächsten Jahres. Wir wollten ein komplettes Schuljahr noch mitnehmen, weil wir den Schulen auch Lehrmaterial zur Verfügung stellen.

Warum bleibt die Sonderausstellung nicht dauerhaft Bestandteil des HSV-Museums?

Ein Museum lebt auch von der Veränderung. Wir müssen auch mal die Themen wechseln. Es gibt da schon ein paar neue Ideen. Aber einige Sachen der Sonderausstellung werden mit Sicherheit im HSV-Museum dauerhaft integriert.

Das Gespräch führte Karsten Doneck.

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